Martin Suter - Der Teufel von Mailand

Originaltitel: Der Teufel von Mailand
Roman. Diogenes 2006
297 Seiten, ISBN: 3257065345

Ihr Leben war doch eigentlich perfekt: als Ehefrau des wohlhabenden, gutaussehenden und charmanten Frédéric Forster hatte Sonia das, was man allgemein als "gutes Leben" bezeichnet. Doch irgendwann hielt sie das alles nicht mehr aus, nicht die Langeweile, die ständige Präsenz der Schwiegermutter. Und nach ihrem Trennungsversuch kam dann der wahre Frédéric zum Vorschein: so gewalttätig, dass er nun tatsächlich hinter Gittern saß.

In der Stadt weiterzuleben wie bisher wird für sie unerträglich. Und als sie dann nach einem LSD-Versuch merken muss, dass Farben für sie plötzlich fühlbar werden und Geräusche sichtbar, ist ihr klar: sie muss hier raus.

Die Chance, in einem neueröffneten Wellness-Hotel im Unterengadin als Physiotherapeutin zu arbeiten, ergreift sie daher mit beiden Händen. Nur ihrer besten Freundin verrät sie, wo sie sich aufhält. Und anfangs scheint ihre Flucht auch die gewünschte Wirkung zu zeigen; endlich kehrt Ruhe in ihr Leben ein.

Aber nicht für lange. Irgendjemand scheint sehr viel gegen dieses neue Hotel zu haben. Soviel, dass er nicht vor drastischen Maßnahmen zurückschreckt. Und erscheint die alten Sagen zu kennen - denn wie Sonia zu ihrem Entsetzen feststellen muss, treten all die Plagen ein, die der "Teufel von Mailand" einst verbreitete...

Nein, mit hoher Literatur hat man es hier sicher nicht zu tun. Und man sollte es auch unterlassen, sich nach abgeschlossener Lektüre gedanklich noch mit dem Inhalt dieses Buches zu beschäftigen; dann könnte man beginnen sich zu fragen, wozu dieser LSD-Trip eigentlich diente (der dann irgendwann keine Rolle mehr spielt) - und noch so einige andere Ungereimtheiten finden.

Nein, nicht nachdenken. Einfach nur auf einer langweiligen Bahnfahrt lesen - dafür ist es das perfekte Buch. Spannend genug, um wirklich gut zu unterhalten, aber nicht so fesselnd, dass man seine Umwelt darüber aus dem Auge verliert.
Ich hatte meinen Spaß daran - und werde den Teufel tun, näher drüber nachzudenken!

Martin Suter

Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren. Er lebt mit seiner Frau in Spanien und Guatemala. Er war Werbetexter und erfolgreicher Werber, ein Beruf, den er immer wieder durch andere Schreibtätigkeiten ergänzt oder unterbrochen hat. Unter anderem für GEO-Reportagen, zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Seit 1991 lebt er als freier Autor, seit 1992 schreibt er die wöchentliche Kolumne "Business Class" in der Weltwoche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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