Elke Schmitter - Veras Tochter

Originaltitel: Veras Tochter
Roman. Berlin Verlag 2006
192 Seiten, ISBN: 3827006422

Nein, ich habe Frau Sartoris von Elke Schmitter nicht gelesen, aber so viel darüber und über den Inhalt, dass ich mir dachte, ich könne es durchaus wagen, die Fortsetzung dazu, die nun erschienen ist, auch so lesen.

Und ich glaube auch nicht, dass meine Probleme beim Lesen des Buches daher rührten, dass mir die Vorkenntnisse fehlten; aber dazu gleich. Erst ein wenig zum Inhalt.

Eine nicht mehr ganz junge Frau entdeckt eher zufällig durch eine Zeitungskritik ein Buch, dessen Inhalt ihr auf unheimliche Weise bekannt vorkommt - da schreibt jemand von einer Frau, die in einer Kleinstadtehe gefangen ist, eine Tochter hat, die sie nicht sonderlich liebt, die eine Affäre hat und bereit ist, nocheinmal völlig von vorne anzufangen, alles hinter sich zu lassen, nur um vergeblich auf den Geliebten zu warten. All das, so glaubt die Leserin, ist ihrer Mutter geschehen. Aber das ist noch nicht alles; denn am Ende wird dort ein Mann überfahren. Es könnte genau jener Mann gewesen sein, in den sie selbst als sechzehnjährige bis über beide Ohren verliebt war - und der eines Tages einfach wie vom Erdboden verschluckt war, nie wieder auftauchte.

Während ihre Freundin versucht, diesem Sachverhalt mit rechtlichen Schritten und Schreiben an den Verlag entgegenzutreten, erinnert sich die vermeintliche Tochter an ihre Kindheit, ihre Jugend; an die Ehe ihrer Eltern, wie sie sie aus Kindesperspektive erlebt hatte, wie sie sich dann verliebte, wie sie sich dabei fühlte, die Zeit danach im Internat, der Umzug in eine Westberliner WG, erste Versuche als Übersetzerin, diverse Beziehungen, in die man rein- und wieder rausrutschte... all das plätschert so vor sich hin, wird ohne viel Antrieb erzählt, und ist eigentlich nur wirklich lebendig, wenn die Tochterperspektive stärker herausgestellt wird, wenn man den Versuch merkt, als ungeliebte Tochter die so abwesende, abweisende Mutter zu verstehen und die Abrechnung mit ihr zu einem Abschluss zu bringen.

Das sind die Stellen, deretwegen es sich für mich gelohnt hat, das Buch zu lesen; das kann Elke Schmitter wirklich gut. Den Rest empfand ich als eher lieblos-unbeteiligt dazugeschrieben; und die Überkonstruktion mit dem Buch, in dem die Mutter entdeckt wird und der im Buch abgedruckte Briefwechsel zwischen Verlag, Leserin und Autorin hat mir nur ein müdes Gähnen abgerungen.

Apropos Gähnen: obwohl dieses Buch mit seinen nicht mal zweihundert Seiten ja zu den Leichtgewichten gehört, habe ich mich doch durch sehr weite Strecken gelangweilt.

Ausgesprochen schade - aber eines hat die Lektüre bei mir doch hervorgerufen: die Lust, nun auch noch Frau Sartoris zu lesen.

Elke Schmitter

Elke Schmitter wurde 1961 in Krefeld geboren. Sie studierte in München Philosophie und war von 1992 bis 1994 Chefredakteurin der taz. Seitdem schrieb sie als freie Autorin vor allem für Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung; seit 2000 ist sie Mitglied der Spiegel-Redaktion. Ihr 2000 erschienener Roman "Frau Sartoris", von der Presse begeistert aufgenommen, wird derzeit in 12 Sprachen übersetzt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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