Anne Donovan - Einmal Buddha und zurück

Originaltitel: Buddha da
Roman. Luchterhand Literaturverlag 2006
356 Seiten, ISBN: 3630620884

Jimmy ist glücklich verheiratet, Vater einer zwölfjährigen Tochter, hat sich mit seinem Bruder als Maler und Anstreicher selbständig gemacht, geht nach der Arbeit gerne mal ein Bierchen trinken, guckt Fußball - ein ganz normaler Glasgower Arbeiter also.

Bis er eines Vormittags, eher aus Zufall, im buddhistischen Zentrum von Glasgow landet, mehr auf der Suche nach Schutz vor Regen als spiritueller Erleuchtung. Und daraufhin beginnt, regelmäßig dort hinzugehen.

Erst beginnt er nur, zu meditieren. Schon das irritiert seine Frau - aber gut, was ist schließlich dabei, wenn er abends statt vor dem Fernseher zu sitzen sich für eine Stunde ins Schlafzimmer zurückzieht.

Aber dabei bleibt es nicht. Er besucht buddhistische Wochenendseminare, freundet sich dort auch mit einer Frau an - auf rein platonischer Ebene, versteht sich. Dann hört er auf, Alkohol zu trinken. Und schließlich beschließt er auch noch, abstinent zu leben.

Spätestens jetzt wird es seiner Frau wirklich zu bunt - und dass die Tochter sich nicht auch noch völlig von ihm abwendet, hat wohl weniger mit der Akzeptanz der väterlichen SPiritualität zu tun als vielmehr damit, dass sie sich Hals über Kopf in ein eigenes Projekt gestürzt hat...

Mehr soll hier erstmal nicht verraten werden.

Die ersten ... ja, beinahe 50 Seiten erschienen mir noch recht belanglos, zwar durchaus nett zu lesen, aber auch sehr bemüht, es stellte sich für mich erstmal kein rechter Lesesog ein, der Rhythmus der einzelnen Kapitel war für mich nicht optimal. Aber plötzlich hatte die Autorin mich dann doch am Wickel. Ja, natürlich gibts etliche Klischees, die in diesem Zusammenhang bedient werden, es gibt Szenen, die man schon fast als Kalauer sehen könnte.

Aber insgesamt ist es ihr ausgezeichnet gelungen, hier eine Familie zu zeigen, wie sie zu Tausenden vorkommt - und auch, was passiert, wenn einer aus diesem Kreis plötzlich versucht, sich weiterzuentwickeln. Die tiefe Sehnsucht nach einem Sinn, die wohl in jedem von uns steckt, treibt manchmal seltsame Blüten - und das macht richtig Spaß zu lesen.

Ein sehr unterhaltsamer Roman, der an mancher Stelle durchaus auch Anregungen zum Nachdenken bietet, flüssig geschrieben - ein schönes Sommerbuch!

Anne Donovan

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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