Leo N. Tolstoi - Anna Karenina. Hörspiel

Originaltitel: --
Hörbuch - Roman. Der HörVerlag 2002
4 CDs, ISBN: 3895845469

Der Inhalt ist ja bekannt; Anna Karenina, die eigentlich von St. Petersburg nach Moskau gekommen war, um in der Seitensprungaffäre in der Ehe ihres Bruders Stiwa zu vermitteln, lernt hier Alexej Wronski kennen, einen jungen Grafen, auf den sich eigentlich die Schwester ihrer Schwägerin, Kitty, Hoffnungen macht. So große Hoffnungen, dass sie den Heiratsantrag von Ljewin ablehnt.

Doch Wronski verliebt sich in die Karenina, reist ihr sofort nach St. Petersburg nach, und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihr, die schließlich sogar zur Schwangerschaft führt. Karenin will die Scheidung; doch auf dem Wochenbett scheint es erst, als würde Anna sterben, so verzeiht er ihr großmütig alles, ist bereit, sie wieder aufzunehmen, ja, sogar das Kind zu legitimieren. Doch Anna ist dieser aufrechte, blutleere Mann verhasst - und als er ihr die Freiheit gewährt, wenn auch ohne Scheidung, reist sie mit Wronski gemeinsam ab nach Italien.

Als sie zurückkommen nach Moskau - St. Petersburg bleibt ihnen verwehrt - versuchen sie, die Scheidung zu erlangen. Doch Wronski ist eigentlich schon lange innerlich gelöst von dieser Frau, die nichts mehr mit der gemein hat, die er einst so liebte; sie ist eifersüchtig, zänkisch, launisch, opiumsüchtig; sie streiten andauernd. Und nach einer dieser Auseinandersetzungen schließlich wirft Anna sich vor einen Zug...

Ein Hörspiel ist immer auch eine INterpretation - und bei einem Hörspiel von 4 CDs für einen Text von 1000 Seiten ist auch klar, dass viele Handlungsstränge stark gekürzt werden. Was wegfällt ist vor allem die Schilderung der gesellschaftspolitischen Umstände, auch die verschiedenen Ideen, die Tolstoi dazu mit in den Roman eingebaut hat, seine Vorstellungen vom richtigen Leben.

Auch die Sympathierwerte werden stark durch diese Interpretation bestimmt; so wird Karenin, der mir im Buch eher hölzern und pflichtbewusst, aber blutleer, leidenschaftslos geschildert wird, hier als wahrhaft reine, edle Gestalt geschildert, ein Mann, der trotz seiner Liebe vergibt und sich und seine Bedürfnisse hintanstellt.

Als Ergänzung zum Buch, oder als Einstieg für alle diejenigen, die sich nicht sofort über das massige Werk wagen, sicher gut geeignet - aber kein Ersatz für die Lektüre, denn dieses Buch gehört zu denen, die man gelesen haben sollte.

Leo N. Tolstoi

Leo N. Tolstoi wurde am 28. August 1828 geboren. Er studiert erst orientalische Sprachen, dann Jura, beschäftigt sich aber vorwiegend mit Philosophie und verlässt die Universität ohne Abschluss. Nach Tätigkeiten in der Landwirtschaft und im Verwaltungsdienst tritt er in die Kaukasusarmee ein. Ab 1851 beginnt seine eigentliche literarische Tätigkeit. 1857 nimmt er Abschied vom Militär. 1862 heiratet er die Arzttochter Sofja Andreevna Bers. Sein Monumentalroman "Krieg und Frieden" entsteht zwischen 1863 und 1869, an Anna Karenina schreibt er von 1873 bis 1877. 1901 wird Tolstoi exkommuniziert; 1908 veröffentlicht er einen Aufruf gegen die Todesstrafe. Am 28. Oktober 1910 flieht er vor seiner Familie und stirbt am 7. November auf der Bahnstation Astapovo.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©28.11.2006 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing