Thomas C. Greene - Ein Traum von Liebe

Originaltitel: I´ll Never Be Long Gone
Roman. Droemer 2006
332 Seiten, ISBN: 3426197197

Es war Samstagabend, ich war sehr müde und geschafft und wollte zwar etwas lesen, dabei aber am besten nicht denken müssen. Am liebsten etwas mit viel Gefühl sollte es sein, und da der Postbote an dem Tag eine unaufgeforderte Büchersendung von Droemer brachte, fiel die Wahl auf den "Traum von Liebe".

In diesem Buch lernen wir die beiden Brüder Owen und Charles kennen, als ihre Mutter sie eines morgens panisch weckt und sie in den Wald schickt, den Vater zu suchen, der sich mit einer Schrotflinte dahin aufgemacht hatte - und das, obwohl die Jagdsaison noch lange nicht begonnen hat.

Und wirklich finden sie ihn auch - tot. Er war krank gewesen, sehr krank, aber dieser Ausweg schockiert die Söhne doch sehr; vor allem, als sie merken müssen, dass sowohl ihre Mutter als auch Onkel Sam von diesen Plänen wussten und ihn nicht davon abhalten konnten.

Noch größer ist ihr Schock jedoch als sie den Inhalt seines letzten Willens vorgelesen bekommen: sowohl das Haus als auch das kleine Restaurant, das die Familie betreibt, soll Charlie erben; für Owen gibt es nur ein kleines Startkapital aus den Ersparnissen, und die Mutter erhält genug, um nach New York zurückgehen zu können.

Auch wenn Charlie sofort erklärt, dass sie an diesen Willen nicht gebunden sind, er Haus und Restaurant mit Owen teilen will, ist dieser doch so verletzt, dass er kurz danach aufbricht - und siebzehn Jahre lang nicht mehr gesehen wird, nur in unregelmäßigen Abständen Postkarten aus aller Welt schickt, aber darauf achtet, dass keiner ihm antworten kann.

An seine damalige Freundin Claire Apple allerdings hat er noch nicht mal Postkarten geschickt. Während Charlie tagein, tagaus im Restaurant schuftet, war Claire in die Stadt aufgebrochen, hatte studiert, war in Frankreich gewesen, hatte zu kochen gelernt - und war nun nach Eden zurückgekehrt. Um ausgerechnet in der Küche von Charlie zu landen...

Sie heiraten. Haben einen Sohn. Leben glücklich, mehr oder weniger - und dann kommt Owen überraschend zurück...

Auf diese dramatische Entwicklung - der Bruder, den die Frau einst liebte, kommt zurück, und beide merken, dass die alte Anziehungskraft immer noch da ist - läuft also das ganze Buch zu, und dann wird dieser Teil in nicht mal 30 Seiten zum Schluss mehr schlecht als recht abgehandelt... hm, ich denke, auch die Leserinnen von Nicholas Sparks werden davon nicht begeistert sein, zu wenig Dramatik, und die Lösung ist dann auch so unspektakulär, so schnell und eigentlich langweilig, dass ich leider sagen muss: nur der Wunsch, bei dieser Lektüre nicht denken zu müssen, wurde erfüllt.

Thomas C. Greene

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©09.04.2006 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing