Kevin Brockmeier - Die Stadt der Toten

Originaltitel: The Brief History of the Dead
Roman. Luchterhand Literaturverlag 2005
220 Seiten, ISBN: 3630620795

Eines Tages ist es soweit. Man stirbt. Und dann? Tja, dann... dann kann es sein, dass man sich plötzlich in einer Stadt wiederfindet, die man nicht kennt, dass man einen Herzschlag verspürt hat, dass man aber trotzdem weiterleben kann wie bisher. Und irgendwann verschwindet man von hier wieder, einfach so...

Warum das so ist, weiß mit Bestimmtheit keiner. Aber am meisten Zustimmung findet die Theorie, dass man hier so lange haust, solange in der Welt der Lebenden noch jemand da ist, der sich an den Toten erinnert.

Besondere Nahrung bekommt diese Theorie, nachdem die Stadt innerhalb kurzer Zeit erst riesig angewachsen und dann rapide geschrumpft war - ein Virus hatte auf Erden gewütet, hatte fast die ganze Menschheit hinweggerafft. Nur ein Mensch ist wohl noch am Leben, Laura - und sie sitzt allein am Nordpol und ahnt nichts...

Eine Ausgangslage, die mich - obwohl ich ja auf Science Fiction etc. eigentlich so gar nicht stehe - doch fasziniert hat. In dieser Welt, die hier erschaffen ist, regieren Bertelsmann und Coca Cola den Großteil der fürs Überleben wichtigen Bereiche - Kommunikation, Nahrung...
und ununterbrochen herrscht Krieg, werden immer wirksamere, gemeinere Waffen eingesetzt, liefert man sich auch immer mehr dem Terrorismus aus...

Tja, gute Ausgangslage, interessante Denkaufgabe, nur leider führt das Buch dann im Endeffekt nirgendwo hin. Der gespannte Handlungsbogen bricht irgendwann einfach ab, der Autor scheint nicht mehr gewusst zu haben, was er daraus jetzt sinnvolles machen könnte und hat stattdessen die einfachste aller Lösungen gewählt.

Schade drum, ich habs zwar bis immerhin zur Mitte eigentlich sehr gerne gelesen, mich gegen Ende aber eher geärgert.

Kevin Brockmeier

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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