Bodo Morshäuser - Beute machen

Originaltitel: Beute machen
Roman. Suhrkamp Verlag 2006
200 Seiten, ISBN: 351841741X

"Nebenan" - so heißt die Fernsehserie, die täglich über Deutschlands Bildschirme flimmert. Bruno Vegas arbeitet schon seit einigen Jahren für die Firma, die diese und noch einige andere Serien produziert. Antonia hingegen ist neu. Schon das erste Treffen - beruflich, natürlich - ist durch ihre starke Anziehung geprägt. Schnell werden sie ein Paar; und sie arbeiten weiterhin zusammen, aber immer noch in verschiedenen Städten. Ihre Beziehung ist nicht lange ein Geheimnis; auch auf ihre Produktivität wirkt sich das neue Glücksgefühl bald aus, sie befruchten sich in jeder Hinsicht, sind eins, sind unfassbar, sind unendlich glücklich.

Für Antonia ist die Arbeit an dieser Serie ein wunderbarer Karrierekick; Bruno ist lange genug dabei, um zu merken, dass ihn langsam andere Ufer locken. An dieser Frage scheitert letztlich auch ihre Beziehung; langsam werden immer mehr Brüche spürbar, hat Antonia immer weniger Zeit, lässt sich immer stärker in diese Serienwelt hineinziehen; die Trennung ist unvermeidlich.

Für Bruno ist es eine komplette Trennung, denn er hört auch auf, für Nebenan zu arbeiten, verfolgt stattdessen ein Projekt weiter, das er noch in guten Tagen gemeinsam mit Antonia begonnen hatte. Nun ist es beendet, nur eine Unterschrift auf dem Vertrag hat er noch zu leisten; dazu fährt er noch einmal, ein letztes Mal, in Antonias Stadt. Und trifft dort eine frühere Kollegin, die ihm erzählt, was mit Antonia weiter passierte - und das wiederum wühlt Bruno so auf, dass er weiß: wenn er nach Hause kommt, wird er darüber schreiben, genau darüber, was mit ihm und Antonia geschehen ist. Und er hat dafür auch bereits einen Titel: "Beute machen"...

Nein, das ist nicht der große neue deutsche Roman. Es ist ein Stück Literatur über eine Scheinwelt - über diejenigen, die die bunte Fernsehwelt erfinden, die selbst wissen, das sie damit keine große Kunst produzieren, sondern bestenfalls Unterhaltung. Es ist eine Geschichte darüber, wie Storylines entstehen, welchen Konkurrenzkämpfen die einzelnen Schreiber ausgesetzt sind. Es ist ein Einblick in die bunte, glitzernde Welt - aber von der mühsamen, wenig glamourösen Seite.

Aus Erzählungen einer Freundin, die selbst mal ein wenig in diese Welt reingeschnuppert hat, kam mir sehr vieles in diesem Buch bekannt vor. Vermutlich hat es mich auch gerade deshalb fasziniert und unterhalten.

Bodo Morshäuser

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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