Aharon Appelfeld - Bis der Tag anbricht

Originaltitel: Ad scheja´ale amud haschachar
Roman. Rowohlt Berlin Verlag 2006
224 Seiten, ISBN: 3499242141

Sie steigen von einem Zug in den nächsten, fahren, steigen um, fahren weiter - bis es Blanka irgendwo gefällt, es ihr sicher und vertraulich genug erscheint. Dann steigt sie aus, mit ihrem kleinen Sohn Otto, und zieht in ein kleines verwunschenes Häuschen am Fluss, wo sie den Sommer verbringen.

Hier kommen sie beide zu Kräften, zu Atem - denn die Zeit davor war entsetzlich. Und Blanka entschließt sich, all das aufzuschreiben für ihren Sohn, ihm zu zeigen, wo er herkommt, wo seine Wurzeln sind.

Blankas Eltern sind Juden; ihr Vater hatte einst geträumt, Mathematik zu studieren, doch das Geld hatte dafür nicht gereicht. Aber seine kluge Tochter, die sollte diesen Traum erfüllen; im Gymnasium gilt sie als beste Schülerin, der Stolz der Lehrer.

Dass ausgerechnet sie dann, statt diesen Traum zu erfüllen, Adolf heiraten würde, der zu leistungsschwach war, am Gymnasium bleiben zu dürfen, der als Arbeiter in der Molkerei angefangen hatte und außerdem keine Juden mochte - nein, das hätte man nicht vorhersagen können.

Stück für Stück entfremdet er sie ihren Eltern; Blanka hat kaum Gelgenheit, die sterbenskranke Mutter noch zu besuchen. Und den Vater steckt Adolf kurzerhand ins Altenheim. Aber am schlimmsten sind für Blanka die Schläge, die sie einstecken muss - und es dauert viele Jahre, bis sie davon genug hat...

Was im Klappentext noch recht poetisch klingt, entpuppt sich leider als ziemlich holzschnittartige, holprig und psychologisch wenig ausgefeilte Geschichte einer jungen Frau, die als Sinnbild für das Schicksal derer herhalten muss, die sich vom jüdischen Glauben abgewandt haben. Blanka ist nun getauft, gehört aber nach wie vor nicht dazu, muss Schläge einstecken; und erst ihre geistige Annäherung an die Welt ihrer Vorfahren, an deren GLauben, bringt ihr so etwas wie Seelenfrieden zurück.

Auf mich wirkte jede Figur gnadenlos überzeichnet, nichts lebendig, von psychologischen Feinheiten keine Rede; ich hatte noch nichts von diesem Autor gelesen und war schon sehr gespannt, doch diesen Roman hier kann ich persönlich leider nicht weiterempfehlen - und meine Lust, mehr von ihm zu testen, ist fürs Erste nicht besonders groß.

Aharon Appelfeld

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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