Audrey Niffenegger - Die Frau des Zeitreisenden

Originaltitel: The Time Taveler´s Wife
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2004
518 Seiten, ISBN: 0099464462

Als Clare Henry zum ersten mal trifft, ist sie 6 Jahre alt - und er 38. Er weiß zu diesem Zeitpunkt schon, dass er sie heiraten wird, wenn sie 20 ist; er ist zu diesem Zeitpunkt 28.

Henry leidet an einer Krankheit, die vor ihm noch nicht bekannt war: an einer Krankheit, die ihn immer wieder durch die Zeit schleudert, zurück zu Zeiten vor seiner Geburt (er beobachtet seine schwangere Mutter), bis hinein in eine Zeit, als er längst tot ist.

Clare jedoch lebt in der Gegenwart, und dieser Mann, der immer wieder nackt in der Senke hinter ihrem Haus auftaucht, ist der Mann, und der einzige Mann, in den sie sich verlieben wird. Sie kennt ihn ihr ganzes Leben lang, kennt schon in ihrer Jugend den Mann, der so abgekämpft ist; lernt dann erst später den jugendlich-überschwänglichen Mann kennen, der er in der Gegenwart ist, in der sie sich dann tatsächlich auch treffen.

Wie lebt man, wenn man einerseits schon so vertraut miteinander ist, aber doch nur immer einen Teil voneinander kennt? Wenn immer einer mehr über die gemeinsame Zukunft weiß, als der andere? Wenn einerseits alles schon so festgesetzt ist, so bekannt, und doch erst neu gelebt werden will?

Dieser Roman hat einen Riesensturm an Begeisterung ausgelöst, ist ein absoluter Bestseller geworden, Beatrix hier hat ihn in höchsten Tönen gelobt, auch Claudia war nach einigen Anfangsschwierigkeiten sehr angetan. In meiner Lesegruppe (2 Männer, 3 Frauen) war ich die einzige, die sagen musste: ich konnte mit diesem Buch absolut nichts anfangen.

Ich habe mich gequält, es bis zum Ende zu lesen, ich fand es so furchtbar kitschig, nichts von dem, was mich daran interessiert hätte, wurde vertieft - eben die Frage: wie lebt man, wenn man schon weiß, was kommen wird, wie geht man wirklich damit um, dass einer dem anderen so viel Wissen über die Gemeinsamkeit voraus hat, wie ist dieser Unterschied zwischen Vertrautheit und Fremdheit zu bewältigen, wie kommt man damit zurecht, dass der Geliebte immer wieder einfach verschwindet?

Das alles fehlte mir. Dafür war dann das, was es zu lesen gab, im Überfluss da - immer wieder die sich sehr wiederholende Geschichte von der Art des plötzlichen Verschwindens, von Clares ach so großer Liebe - mir persönlich haben sich schon die Nackenhaare beim Gedanken aufgestellt, dass sich ein in den Mann verliebt den sie ihr Leben lang kennt, den sie als sechsjährige als mit 38 ALTEN Mann kennenlernt…

Ein weiterer Umstand, der es mir erschwert hat, mich mit diesem Buch anzufreunden war gewiss, dass es überwiegend in Dialogen verfasst ist.

Nein, von meiner Seite wird dieses Buch nicht weiterempfohlen.

Audrey Niffenegger

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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