Antal Szerb - Reise im Mondlicht

Originaltitel: --
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2003
259 Seiten, ISBN: 3423243708

Was könnte es romantischeres geben, als die Hochzeitsreise nach Italien zu machen? Venedig steht am Programm, Ravenna, Rom... all die Städte, die Mihaly bei seinen früheren Reisen ausgelassen hat, wie Italien überhaupt. Und er scheint mit seinem Zögern recht gehabt zu haben: anstatt ein Startpunkt für sein neues, erwachsenes Leben zu sein, bringt es stattdessen die Schatten seiner Jugend zurück.

Nicht nur, dass er während dieser Reise merkt, dass er seine frischangetraute Ehefrau Erzsi noch viel weniger kennt als er glaubte; in Ravenna sieht er sich auch noch mit einem Jugendfreund konfrontiert, den er seither nicht mehr gesehen hatte. Aggressiv wie schon damals, beleidigt er Erzsi - aber schlimmer noch, er ruft lange verdrängtes in Mihalys Gedächtnis zurück. Diese Nacht verbringt er damit, seiner Frau von seinen besten Freunden zu erzählen, die er in seiner Jugend hatte, den beiden so ungewöhnlichen Geschwistern, unzertrennlich und unkonventionell, ihren Spielen, und den beiden anderen, die einige Jahre später dazukamen und ihre Spiele nachhaltig veränderten.

War es aufgrund dieser Erinnerung, dass Mihaly dann am nächsten Tag versehentlich den falschen Zug erwischte? Seine Frau alleine nach Rom weiterfahren ließ und sich selbst plötzlich in Perugia wiederfand, ohne Intention, seiner Frau nachzureisen, oder zumindest Bescheid zu geben?

So trennen sich ihre Wege; und während Mihaly endlich den Zusammenbruch erleidet, auf den er seit Jahren zusteuert, feiert Erzsi ihre Freiheit in Paris, sich immer bewusster werdend, dass sie an Mihaly gerade die Unsicherheit angezogen hatte, die er im Vergleich zu ihrem Exmann ausstrahlte.

Und so straucheln sie beide, fern von zu Hause, aber auch fern von zu Hause, mit ihren ganz persönlichen Schatten, mit Todessehnsucht und alten Lieben...

Auch wenn ich, gerade zu Beginn, trotz der schönen Sprache immer wieder das Gefühl hatte, eine an sich belanglose Geschichte zu lesen, haben mich die schönen Geschichten rundherum doch ausgesprochen gut gefallen.

Sei es die Totentür in toskanischen Häusern, die Ausflüge in die etruskische Lebensphilosophie, der Verquickung von Todessehnsucht und Religion, unkonventionelle Lebensentwürfe - immer wieder finden sich Details, die für sich gesehen sehr erfeuen. Und vor allem sind der einige herrlich formulierte Sätze zu finden, die man am liebsten anstreichen und merken würde.

Ich bin gespannt, wie das Urteil unserer Lesegruppe dazu morgen ausfallen wird!

Antal Szerb

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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