Kenneth Cook - In Furcht erwachen

Originaltitel: Wake in Fright
Roman. CH Beck Verlag 2006
191 Seiten, ISBN: 3406542077

Ein ganzes Schuljahr hat John Grant nun im australischen Outback ausgeharrt. In ein paar Tagen wird er wieder zurück sein in der Zivilisation, in Sydney - zumindest für die Dauer der Ferien. Bundanyabba ist dabei nur eine notwendige Zwischenstation; ärgerlich eigentlich, dass er hier nicht sofort weiterfliegen kann, sondern zumindest eine Nacht bleiben muss.

Was kann man in einer kleinen Minenstadt an einem heißen Abend schon machen? Eine Bar aufsuchen, ein Bier trinken - genau das ist Johns PLan. Sie sind sehr anschlussfreudig, die Leute in Yabba. John wird von einem Polizisten unter die Fittiche genommen; mit dessen Fassungsvermögen bei Alkohol kann er allerdings nicht mithalten. Und dieser Polizist ist es auch, der John in das Lokal führt, in dem illegales Glücksspiel abgehalten wird. John will ja eigentlich nur zusehen; aber bald schon hat es ihn auch gepackt. Er setzt. Und gewinnt. Und setzt wieder. Und gewinnt wieder. Solange, bis er die stattliche Summe von 200 Dollar gewonnen hat. John geht. Und überlegt im Hotel, dass er, wenn er nur noch einmal so viel gewinnt, nicht wieder zurück muss an seine ungeliebte Lehrerstelle. Er geht zurück - und verliert alles.

Das ist erst der Anfang des unaufhaltsamen Abstiegs des jungen Lehrers. Alkohol bestimmt auch am nächsten Tag seinen Tag; es ist erstaunlich leicht, auch ohne Geld zu trinken zu bekommen - solange es Alkohol ist. Und immer wieder nimmt ihn jemand unter die Fittiche.

Alkohol. Sex. Jagd auf Känguruhs. Und dann die Nacht danach, an die er sich lieber nicht erinnern will - der Ekel vor sich selbst wird immer schlimmer...

Die Geschichte an sich ist recht konventionell erzählt; dabei kühl, distanziert von der Sprache. Dabei gelingen dem Autor starke Bilder; die Känguruh-Jagd wird mir bestimmt nicht als einziger Leserin noch sehr lange im Gedächtnis bleiben, sie zählt zu den großartigsten des Buches.

Dennoch - eine gewisse Affinität zu Australien sollte man als Leser schon mitbringen. Und zu sehr emotionslosem Destruktismus - aber perfekt durchgezogen.

Mir hats tatsächlich sehr gut gefallen!

Kenneth Cook

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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