Shirley Hazzard - Das große Feuer

Originaltitel: The Great Fire
Roman. Hanser Literatur Verlag 2006
336 Seiten, ISBN: 3446207155

Der Krieg ist vorbei - zumindest in Europa. In Asien hingegen wird gerade die gesellschaftliche Ordnung revolutioniert; und Aldred Leith war mittendrin dabeigewesen, war quer durch China gewandert, und wollte seinem Buch nun noch ein Kapitel über Japan hinzufügen.

In der Nähe von Hiroshima soll er einquartiert werden; sein Kontaktmann bereitet ihn noch vor auf die Driscolls, aber was ihn wirklich erwartet, hätte er sich nicht träumen lassen: dass er, der erwachsene Mann mit all den Kriegsnarben, sich in ein junges Mädchen verlieben würde, in dieses erst sechzehnjährige Geschöpf, das den Eltern so wenig ähnelt, und das dafür eine umso engere Bindung zum sterbenskranken Bruder hat.

Es ist eine geheime, eine verbotene Liebe, die sich durch viele lange Trennungen hindurch beweisen muss; denn Aldred reist weiter durch Asien, besucht Freunde in Hongkong, und kehrt genau zu der Zeit nach England zurück, als sie von ihrer Familie gezwungen wird, mit ihnen nach Neuseeland zu gehen...

Auch wenn in meiner kurzen Skizzierung des Inhalts diese Liebesgeschichte den Hauptanteil einnimmt, fällt ihr Anteil im Buch doch weit geringer aus. Aber diese Geschichte ist der eine rote Faden, der die Handlung zumindest lose zusammenhält; denn ansonsten ist es mehr ein Stimmungsbild, gezeigt aus der Perspektive von verhältnismäßig vielen Menschen, die fern ihrer Heimat nun in den ehemaligen Kolonien leben.

Da ist einmal Peter, Aldreds bester Freund, der in Hongkong Kriegsverbrechen aufklärt, sich gerne verlieben möchte; dann Aurora, die in London mittlerweile die Geliebte seines Vaters ist, früher aber die von Aldred; dann die jungen Soldaten, die Aldred als Fahrer beiseite gestellt werden, oder ein junger Amerikaner, der vom Geheimdienst ist und eigentlich Aldred ausspionieren sollte, der ihm außerdem Konkurrent um die Liebe Helens ist und doch gleichzeitig ein Freund...

Felicitas von Lovenberg betitelte ihre Kritik in der FAZ am 15. März 06 mit "Die Romeo-Lotterie - Kolonien der Liebe: Shirley Hazzard schwelgt in Fernost".

Mein eigenes Urteil ist recht zwiegespalten; einerseits fand ich die Schilderungen und die wenigen Momente, wo die Autorin ein wenig bei einer ihrer Figuren verweilt und sie auch zur Entfaltung kommen lässt, interessant. Aber trotz all der Tragik, die diesem Buch auch innewohnt, fehlte mir die persönliche Anteilnahme, das Gefühl, dass die Autorin selbst ihre Protagonisten nicht nur weise-distanziert beobachtet, sondern ihnen auch echte Leidenschaften zugesteht. Alles wirkt so abgeklärt, selbst die junge, verbotene Liebe, auch der Tod.

Auch die verwendete Bildersprache befremdete mich bisweilen; es kam selten vor, dass eine Metapher mir positiv auffiel.

Im großen und ganzen hatte ich von diesem Roman, der 2003 immerhin mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, mehr erwaret.

Shirley Hazzard

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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