Clare Sambrook - Der Freitag nach dem Freitag nach dem Sonntag

Originaltitel: Hide & Seek
Roman. Kindler Verlag 2006
288 Seiten, ISBN: 3463404893

Kleine Brüder können manchmal ganz schön nerven. Das weiß Harry Pickles nur zu genau; schließlich ist sein kleiner Bruder Dan erst 5 und will trotzdem immer mitspielen, wenn Harrys Freunde spielen.

Aber dann ist alles plötzlich ganz anders. Erst freuen sich alle auf den Schulausflug ins Legoland, da ist noch alles in Ordnung. Beim Nachhauseweg gibt es plötzlich große Aufregung: sie sind einer zu wenig. Und als dann alles geklärt ist und sie viel zu spät zu Hause ankommen, fehlt Dan...

Von nun an ist nichts mehr im Lot. Dan taucht nicht an diesem Tag auf und auch nicht am nächsten oder am übernächsten, auch nicht am Freitag nach dem Sonntag nach dem Sonntag. Dafür kommt dann Tante Joan endlich von ihrer Hochzeitsreise zurück, da ist es kurz ein bisschen besser. Aber dann streiten Tante Joan und Harrys Mutter, und Harry ist wieder alleine mit ihr zu Hause. Von seinen Freunden will keiner mehr mit ihm spielen, Schule ist zu Ende, die Eltern streiten nur noch, und alles, was er davon hört ist "Harry ist nicht genug"...

Ziemlich konsequent aus der Sicht eines Neunjährigen wird hier eine schreckliche Geschichte erzählt: wie ein Kind, nachdem der kleine Bruder spurlos verschwindet, sich selbst die Schuld daran zu geben beginnt. Und wie die Eltern von ihrem eigenen Kummer so überfordert sind, dass sie die Veränderung an ihrem Kind nicht merken.

Gerade dieser Kinderperspektive hat mir manchmal aber auch schwergemacht, die Geschichte wirklich an mich ranzulassen; dazu driftet sie dann gegen Ende auch immer dramatischer ab, und wenn die äußeren Umstände gar zu überzogen schlimm werden, dann passiert bei mir beim Lesen meist ein gegenläufiger Effekt: es wird weniger real und dadurch auch weniger relevant...

Clare Sambrook

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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