Christopher G. Moore - Haus der Geister

Originaltitel: Spirit House
Krimi. Volk & Welt 2000
309 Seiten, ISBN: 3293201687

Vincent Calvino, früher Anwalt in New York, lebt nun schon seit vielen Jahren in Bangkok. So vielen Jahren, dass er es immerhin geschafft hatte, Thai zu sprechen (auch wenn er die "Wurmschrift" nach wie vor nicht lesen konnte). Hier verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Privatdetektiv, mehr schlecht als recht bezahlt, immer mit den Alimenten für seine nach wie vor in NY lebende Tochter im Rückstand.

Als er den Auftrag erhält, den Tod eines jungen Mannes aufzuklären, eines Farangs wie ihm selbst, scheint er leichtes Spiel zu haben - denn der Tatverdächtige war von der Bangkoker Polizei schon gefasst worden und hatte sogar ein Geständnis abgelegt. Doch Calvino ist von dessen Schuld nicht überzeugt - genausowenig wie Pratt, Calvinos hochrangiger Freund bei der thailändischen Polizei.

Bei seinen neugierigen Nachforschungen in den Bars und Bordellen der Stadt merkt Calvino schnell, dass er in ein Wespennest gestochen hat. Die Anschläge auf sein Leben häufen sich, doch glücklicherweise schafft er es immer wieder, mal mit Unterstützung, mal ohne, seine Gegner glatt auszuhebeln und zum Schluss natürlich auch das Rätsel noch zu klären und als moralischer Held dazustehen.

Calvino ist ein absolut klischeehafter Ermittler - alleinstehend, trinkt zu viel, verbringt seine Nächte lieber mit Prostituierten anstatt sich auf eine Beziehung einzulassen, krebst immer am Existenzminimum herum, versteht es, sich ein oder zwei wirklich treue Freunde zu erarbeiten, die ihm aufgrund seines moralischen Wohlverhaltens immer wieder zur Seite stehen, während er sich ansonsten aufgrund eben dieses aufrechten Wesens überall Feinde schafft.

Besonders übel aufgestoßen ist mir, dass es natürlich einen Mordsaufwand rechtfertigt, wenn ein Ausländer in Bangkok eines unnatürlichen Todes stirbt, dass aber die wirklich nicht mehr zählbaren Leichen, die Calvino bei seiner Ermittlungsarbeit hinterlässt noch nicht mal einer Bestandsaufnahme wert sind.

Und dann der Thailand-Aspekt - nun ja, soviel kann man auch einem schlechten, undifferenzierten Reiseführer entnehmn. Für mich war das nur eine Abarbeitung der gängigen Thailand-Klischees (Sex & Drugs), mit ein paar Straßennamen und Bräuchen aufgepeppt.

Eine Reihe, die mir zumindest überhaupt nicht zusagt. Ich war froh, das Buch noch im Flugzeug auf dem Hinflug weiterverschenken zu können, auch wenn ich ein schlechtes Gewissen hatte, dem Beschenkten sowas aufgehalst zu haben.

Christopher G. Moore

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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