Eva Demski - Das siamesische Dorf

Originaltitel: Das siamesische Dorf
Krimi. Suhrkamp Verlag 2006
380 Seiten, ISBN: 3518417401

Was mich an diesem Buch gereizt hat ist wohl klar - der Handlungsort (an der Andamanen-See, in der Nähe von Takuapa, also nicht allzuweit von der burmesischen Grenze).

Die Handlung beginnt kurz vor dem Eintreffen der neuen Ladung Gäste, die das Resort die nächsten drei Wochen bewohnen sollten. Es gibt ein Dorf am Strand, für die Gäste - und etwas weiter hinten im Dschungel gibt es ein zweites Dorf, in dem die Einheimischen leben, die großteils auch im Touri-Dorf arbeiten.

Unter den neuen Touristen sind auch zwei Reporter, die diesen Flecken Erde für den Rest der Welt entdecken sollen; Kecki und Max, der Fotograf. Aber was sie hier finden ist nicht nur ein tropisches Paradies - sondern ein großes Rätsel. Da gibt es ein Kloster in der Nähe, und unter der Hand wird geraunt, dass es dort auch einen heilkräftigen See gäbe...

Dass es hier im letzten Jahr zwei ungeklärte TOdesfälle gab weiß kaum jemand; und auch die kleinen Leichenteile, die immer mal wieder zu sehen sind, sind immer nur ganz kurz zu sehen, dann sind sie vom zahlreich vorhandenen Getier verschluckt. Erst ist es eine Hand, dann noch eine; eine (tätowierte) Rückenhaut, eine Niere in einer Hummerreuse...

Und dann ist eines Tages noch jemand tot, eine kleine taubstumme Dienerin; der berufliche Ehrgeiz der beiden Journalisten ist endgültig geweckt und sie versuchen sich als Mordermittler.

Doch was es wirklich auf sich hat mit diesen Morden, wieweit Mow, der rührige Thai, der hier für die Erfüllung aller Touristenwünsche zuständig ist, darin verwickelt ist, ob es hier wirklich Kinderprostitution gab, welchen Einfluss eine Loge namens "der blaue Elephant" hat, und wie die verwandtschaftlichen Beziehungen im Dorf so sind, das ist schwerer zu durchschauen, als sie dachten...

Leider ist es wohl auch wesentlich schwieriger, einen guten Krimi zu schreiben, als die Autorin dachte; an vielen Stellen hatte ich den Eindruck, statt eines fertigen Produkts ein Skizzenheft zu lesen, so unausgegoren waren sowohl die Handlungsstränge als auch die Dialoge. Dass die Autorin alle paar Absätze die Erzählperspektive wechselt macht das Ganze nicht besser.

Dazu kommt, dass sie sich viel zu viele Themen aufhalst und dadurch dann keines wirklich gut ausarbeitet; ausländische Investoren, das Geschäft mit der Heilung, Sex, Kinderprostitution, und und und....

Für mich wars eine Enttäuschung, keine Empfehlung, noch nicht mal für Thailand-Urlauber auf der Suche nach Spannung vor Ort.

Eva Demski

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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