John Burdett - Der Jadereiter

Originaltitel: Bangkok 8
Krimi. (englischsprachiger Verlag) 2003
431 Seiten, ISBN: 0552771406

Es gibt in der Bangkoker Polizei nur zwei Beamte, die sich nicht an der allgemein üblichen Finanzierungsmethode beteiligen: Sonchai Jitpleecheep und seinen Partner Pichai. Diese beiden, Kinder von Bangkoker Prostituierten, waren auf der Straße großgeworden, und hatten eigentlich schon eine Gangsterkarriere eingeschlagen, die sogar in einem Mord endete. Doch anstelle eine Gefängnisstrafe abzubüßen war es ihnen gelungen, in ein Kloster zu gehen. Und so hatten sie beim Bruder ihres heutigen Chefs bei der Polizei ihre Abbitte geleistet und waren nun der ständige Stachel schlechten Gewissens im Fleisch der thailändischen Polizei.

Bis - ja, bis ein seltsamer Auftrag ihres Vorgesetzten, einen amerikanischen Marine zu beschatten, dazu führte, dass Pichai eines qualvollen Todes starb. Und Sonchai ein besonderes Interesse daran hat, diesen Mord aufzuklären.

Selbstverständlich überlässt die amerikanische Botschaft die Aufklärung des Todes eines ihrer Militärbeamten nicht allein den heimischen Behörden, und so erhält Sonchai bald eine attraktive amerikanische FBI-Agentin zur Unterstützung. Besagte junge Frau hat dann aber nicht nur damit zu kämpfen, dass in einem Land der exotischen, zierlichen, schmalhüftigen Schönheiten auch eine ansonsten als sehr attraktiv geltende Frau keinerlei Aufmerksamkeit erregt; das allgemein sexuell aufgezeizte Klima weckt auch ihre Begierlichkeiten, was Sonchai angeht, der, als Sohn eines unbekannten Amerikaners, für einen Thailänder ungewöhnlich groß und dazu noch blond ist.

Bei seinen Ermittlungen verlässt Sonchai sich beileibe nur auf das, was er aktuell sieht und hört - als überzeugter Buddhist ist er in der Lage, auch frühere und spätere Inkarnationen zu berücksichtigen, Zusammenhänge zu erspüren, die dem ungeübten westlichen Auge nicht ersichtlich sind und die Amerikanerin manchmal schier zur Verzweiflung bringen.

Was zum Beispiel hat es mit der außergewöhnlich schönen Frau auf sich, die noch wenige Minuten bevor sich ein ganzer Koffer voller aggressiver Schlangen auf den Marine gestürzt hatten, bei ihm im Auto saß? Und wie konnte dieser sich mit seinem Gehalt den luxuriösen Lebensstil leisten, den er pflegte? Von den wertvollen Jadeskulpturen in seiner Wohnung ganz zu schweigen.

Überhaupt, Jade - wie kommt ein doch nicht allzu kunstsinnig erscheinender Marine dazu, sich damit zu beschäftigen? Und wie kommt die Verbindung zu einem der reichsten und einflussreichsten Männers Amerikas, dem General, zustande?

Auch wenn ich zwischendurch immer mal wieder von der sehr ungewöhnlichen Weise der Schlussfolgerung genervt war, und auch wenn sicherlich auch in diesem Krimi eine gehörige Portion Klischees verarbeitet wurden - es ist ein Krimi, der nicht nur dann reizvoll zu lesen ist, wenn man die Schauplätze gerade vor Ort sieht. Wobei die Schauplätze für mich sehr sehr lebendig beschrieben waren und gerade die Kleinigkeiten des Alltagslebens für mich sehr nachvollziehbar erschienen und viel zum Lokalkolorit beitrugen.

Es dauert zwar eine Weile, bis die Handlung wirklich in Fahrt kommt, doch dann hat der Autor es verstanden, mich mit den immer wieder wirklich überraschenden Wendungen, die klug und wirkungsvoll eingebaut sind, auf sehr angenehme Weise zu fesseln.

Und sollte ich einen weiteren Ort bereisen, den John Burdett zum Schauplatz eines seiner Krimis gemacht hat, werde ich diese mit Sicherheit lesen!

John Burdett

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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