Theodor Fontane - Schach von Wuthenow. Gelesen von Otto Mellies

Originaltitel: Schach von Wuthenow. Gelesen von Otto Mellies
Hörbuch - Roman. Reclam Audio 2002
5 CDs, ISBN: 3151200087

Die schöne Witwe von Carayon und ihre einst ebenso hübsche, nun aber durch Blattennarben entstellte Tochter Victoire führen ein offenes Haus; der Junggeselle Schach von Wuthenow ist einer der gern gesehenen Gäste des Hauses und - unter aller Berücksichtigung des Ehrenkodex dieser Zeit - in die Witwe verliebt, ohne jedoch die Absicht zu zeigen, sie zu heiraten.

Auch die Tochter liebt ihn - heimlich, sich selbst nicht eingestehend. Und eines Abends, als er die Damen besuchen kommt, nur sie anfindet und noch die sehr wohlwollenden Worte des Prinzen über Victoire im Ohr hat, erscheint sie ihm, vom Fieber mit einem besonderen Glanz erfüllt, plötzlich schön, und es passiert, was nicht passieren darf.

Über sich selbst erschrocken, zieht Schach sich weitgehend zurück; doch dieser Abend bleibt nicht ohne Folgen. Victoire ist bereit, diese allein und für sich zu tragen, doch ihre Mutter kann den Gedanken an diese feige Ehrverletzung nicht ertragen. Sie wendet sich an Schach, drängt ihn zur Heirat; doch er, so sehr er sich als Soldat auch dem Ehrenkodex verpflichtet weiß, kann den Gedanken nicht ertragen, mit einer Frau verheiratet zu sein, die ihm aufgrund ihres Aussehens Spott und Häme aussetzen wird...

"Schach von Wuthenow" fügt sich nahtlos ein in die Bücher über diese Zeit der Aufklärung, die ich in der letzten Zeit gelesen habe; neben der eigentlichen Handlung, die ich hier kurz geschildert habe, war ich besonders von der sehr ausführlichen Schilderung der zeitgeschichtlichen Umstände angetan.

Mich hat fasziniert, was erlaubt war, wer sich wo und wie zu verhalten hatte, was vom Regiment der Gensdarmes erwartet wurde; dazu kommen natürlich auch die Schilderungen Berlins und Brandenburgs, die sehr lebendig machen, wie sehr die Stadt sich seither verändert hat.

Otto Mellies ist dafür in meinen Augen ein kongenialer Sprecher. Er liest gerade auch die Passagen, die in Mecklenburger Platt (so zumindest hab ich mir das zusammengereimt) gesprochen sind auf eine Art und Weise, dass man sich tatsächlich in eine längst vergangene Zeit hineinversetzt fühlt.

Dazu kommt, dass das Thema ja eigentlich nach wie vor aktuell ist; mehr denn je ist doch Status mit Aussehen verknüpft, sind Klugheit, Warmherzigkeit nur Qualitäten zweiter Güte. Dass ein Mensch, der nicht die Stärke hat, sich den daraus resultierenden Angriffen auszusetzen, dennoch nicht zu verurteilen ist, hat Fontane in meinen Augen brilliant geschildert.

Das Hörbuch in der Ausgabe, die ich gehört habe, ist leider vergriffen. Wer dennoch Zugriff darauf hat - ich kann es nur wärmstens ans Herz legen!

Theodor Fontane

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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