Anne Chaplet - Sauberer Abgang

Originaltitel: Sauberer Abgang
Krimi. Verlag Antje Kunstmann 2006
287 Seiten, ISBN: 3888974240

Dalia hatte wie immer ganze Arbeit geleistet. Sie hatte alles so gemacht, wie es sich gehört im Zimmer des Geschäftsführers. Aber es gehört sich nicht, alles gründlich sauber zu machen, wenn der Geschäftsführer tot auf dem Boden liegt. Ein natürlicher Tod? Das wird eine Obduktion klären, und so lange ist es für Staatsanwältin Karen Stark kein Fall, auch wenn der Tote ein Freund ihres Kollegen war, der nicht glauben kann, dass ein gesunder Mann Ende Vierzig einfach tot umfällt. Will Bastian, 48, zieht bei seiner Freundin aus und bei seinem alten Vater wieder ein. Dass sein Vater ihn braucht, nehmen ihm seine Freunde nicht ab – sie kennen einander zu gut. Doch jetzt spielt das keine Rolle, denn einer von ihnen ist tot. Und sein plötzlicher Tod konfrontiert die anderen mit einer Geschichte, die sie lieber vergessen hätten. Jetzt aber greift sie gespenstisch in ihr erfolgreiches und geordnetes Leben ein.

Soweit der Klappentext. Da ich ja derzeit ein Seminar in Frankfurt besuche, dachte ich, es wäre ganz nett, als Einstimmung einen Frankfurtkrimi zu lesen, und dass hier auch gleich auf den ersten Seiten das Restaurant erwähnt wird, in dem ich mich heute abend mit Claudia und Nele treffe, fand ich auch wirklich sehr schön.

Ansonsten jedoch...

In meinen Augen wollte die Autorin zu viel auf einmal. Einerseits die "alten" bekannten Protagonisten weiter wirken lassen, in diesem Fall hauptsächlich die Staatsanwältin Karin Stark; ein bisschen akutelle Zeitkritik, ein bisschen Rückblick auf Friedensbewegung, ein bisschen Krimi.

Das liest sich alles auch an sich ganz nett. Nur hatte ich wirklich ein Problem mit ihrem Plotaufbau. Es wird ganz gezielt von Anfang an eine Person als hauptverdächtig aufgebaut, deren Motivation für das Handeln dann schlussendlich aber so weit in der Vergangenheit liegt und der wirklichen Mörderfigur zur Benutzung nicht bekannt sein kann, dass ich mich eher geärgert habe.

Auch die Beziehungsthemen des Will Bastian, die Liebesgeschichte seiner Eltern, sein Vaterkonflikt - das alles ist nett zu lesen, aber insgesamt ziemlich unmotiviert, und wird vor allem auch nicht plausibel aufgelöst.

Für mich war das der bislang dritte Krimi, den ich von dieser Autorin gelesen habe - und leider auch der einzige, der mich nicht überzeugen konnte. Kein schlechtes Buch, aber eben leider auch kein gutes.

Gelesen habe ich ein Vorab-Rezensionsexemplar - ich hoffe allerdings sehr, dass es dem Verlag bis zur endgültigen Drucklegung noch gelungen ist, die immens vielen Kommafehler zu korrigieren, sie sind teilweise wirklich sinnentstellend.

Anne Chaplet

Anne Chaplet ist das Pseudonym von Cora Stephan, Publizistin und Sachbuchautorin aus Frankfurt am Main

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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