Soazig Aaron - Klaras Nein

Originaltitel: Le Non de Klara
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 2005
197 Seiten, ISBN: 3442733685

Obwohl sie von ihrer Familie gewarnt worden war, meldet sich die aus Berlin nach Paris emigrierte Jüdin Klara bei der Volkszählung in Frankreich. Kurz darauf wird sie nach Auschwitz deportiert - für 29 lange Monate. Sie überlebt, kehrt nach einem Abstecher über Krakau, Prag und Berlin nach Paris zurück, wo sie dann im von ihrer Schwägerin Lika gefunden wird.

Das Buch beginnt mit den Tagebuchaufzeichnungen dieser Schwägerin Lika. Gemeinsam mit ihrem Mann Alban hatte sie sich während Klaras Abwesenheit um deren Tochter Victoire gekümmert. So groß die Freude ist, Klara lebend wiedergefunden zu haben - es ist nicht mehr dieselbe Person, die sie verlassen hatte. So weigert sich Klara kategorisch, ihre Tochter und ihre Freundin Agathe wiederzusehen, will sich für tot erklären lassen und nach Amerika auswandern.

Likas Tagebuchaufzeichnungen zeigen, wie hart diese Zeit anfangs nicht nur für Klara, sondern auch für ihre Umwelt war, zeigt von Hilflosigkeit, von Unverständnis, aber auch von einem ungeheuren Überlebenswillen.

Der Roman wurde nach Erscheinen auch in meinem Freundeskreis geradezu hymnisch besprochen.

Und im Prinzip kann ich mich dem guten Gesamturteil auch anschließen; die Begeisterung der meisten hier kann ich aber nicht teilen. Das hat bei mir zum einen stilistische Gründe; die abgehackte Erzählweise in den Dialogen, die eigentlich für ein authentisches Gefühl sorgen soll, hat mich immer wieder "rausgeworfen", mir deutlich gemacht, dass ich es hier mit einer Technik zu tun habe; ähnlich ging es mir auch mit einigen Beobachtungen, die für diese Zeit sehr weitsichtig gewesen wären, mir aber immer die dahinterstehende Recherche deutlich gemacht haben.

Dabei fand ich gerade die Schilderung einer Frau, die nicht nur als gebrochenes Opfer geschildert wird, sondern als Mensch, der dadurch in mancher Hinsicht härter geworden ist, die sich nicht mehr im alten Alltag eingliedern wird können, sehr wichtig und auch neu und frisch; dennoch hat es mich emotional eher unbeteiligt gelassen.

Soazig Aaron

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©20.11.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing