Haruki Murakami - Afterdark

Originaltitel: Afuta daku
Roman. Dumont Literaturverlag 2005
280 Seiten, ISBN: 3832179402

Es ist Nacht in der Großstadt. Kurz vor Mitternacht. Ein junges Mädchen sitzt alleine in einem Restaurant einer bekannten Kette und liest. Es ist voll. Wenig später kommt ein junger Mann in das Lokal, setzt sich zu ihr - und erkennt sie wieder; Takahashi war ein Schulkamerad von Maris Schwester, vor Jahren hatten sie sich einmal zu einem Doppeldate getroffen. Auch jetzt gelten viele der Fragen, die Takahashi an Mari richtet, ihrer wunderschönen Schwester; dass diese Schwester schon seit Monaten beinahe ununterbrochen schläft, das verrät sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Nur der Leser weiß es rasch - er begleitet das Kameraauge, durch das die Handlung dieses Buches dringt, in Eris Schlafzimmer, in dem sie reglos liegt. In dieser völligen Stille stört nur Eines: der Fernseher. Aber seltsam ist, was darauf zu sehen ist; und bald schon fühlt man sich beobachtet.

Mari wird indessen in ein Love Hotel gerufen; Takahashi hatte ihren Namen an Kaoru weitergegeben, weil in diesem Stundenhotel dringend jemand gesucht wurde, der chinesisch sprach, um mit der jungen Prostituierten reden zu können, die hier brutal zusammengeschlagen worden war.

Und so geht der Reigen weiter - als Leser erfahren wir noch die Geschichte von Kaoru, begleiten auch den Mann eine Weile, der das chinesische Mädchen schlug, und besuchen zwischendurch immer mal wieder Eri, die im Schlaf auf seltsame Weise verschwindet…

Die Geschichte, die Murakami hier erzählt, war für mich genauso spannend und hatte ähnliche Sogwirkung, wie seine restlichen Bücher. Aber ich hatte ein großes Problem - ich konnte mit der Art, WIE erzählt wurde, nicht viel anfangen. Der Roman besteht im Wesentlichen aus Dialogen; wenn Murakami hier erstmal warmgeschrieben hat, dann ahnt man als Leser den Tonfall, den der Autor damit treffen wollte. Und zwischen diesen Dialogstücken finden sich Verbindungselemente, die besser Regieanweisungen sind, Beschreibungen der Kulissen, die man sich als Leser dann vorzustellen hat.

Insofern kann ich keine uneingeschränkte Empfehlung abgeben - aber Fans werden auch dieses Buch bestimmt nicht auslassen.

Haruki Murakami

Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte nach seinem großen Erfolg "Naokos Lächeln" längere Zeit in Europa und den USA, heute wieder in Tokio. Er ist der gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor von Romanen und Erzählungsbänden. Er hat die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©31.10.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing