Lucy Maud Montgomery - Anne auf Green Gables

Originaltitel: Anne of Green Gables
Kinderbuch. (englischsprachiger Verlag) 1908
308 Seiten, ISBN: 055321313X

Es gehört mit zu meinen schönsten Fernseherinnerungen: die Geschichte des kleinen Waisenmädchens Anne, das auf Green Gables ein neues Heim findet.
Bevor ich es nun der nächsten Generation schenken wollte, habe ich auch selbst erstmals das Buch gelesen; mit sehr viel Freude und Vergnügen, aber auch mit einem kritischeren Auge. Doch dazu gleich mehr.

Schon die Tatsache, dass Matthew und Marilla Cuthbert sich entschieden haben, einen Waisenjungen aufzunehmen, um jetzt, im fortgeschrittenen Alter, jemanden zu haben, der ihnen bei der Arbeit ein wenig zur Hand geht, sorgt für Aufruhr im kleinen Dorf Avonlea auf Prince Edward Island. Aber wie groß ist die Überraschung auch für diese beiden, als der erwartete Junge sich als dünnes, rothaariges kleines Mädchen entpuppt! Eigentlich haben sie ja auch vor, sie gleich zurückzuschicken, doch dann bringen sie es nicht übers Herz, hat Anne sich doch mit ihrer schwärmerischen, unermüdlichen Art sehr rasch einen Platz in ihrem Herzen erobert.

Besonders Matthew, selbst so still und scheu, liebt es, dem ununterbrochenen Geplapper des Mädchens zuzuhören, das über Kleinigkeiten in Entzücken ausbrechen kann und sämtliche Bäume und Straßen neu benennt.

Gerade ihre Begeisterungsfähigkeit ist es aber auch, die Anne immer wieder in Schwierigkeiten bringt; so lenken ihre Gedanken sie während ihrer Haushaltspflichten häufig so ab, dass kleinere bis mittlere Katastrophen geschehen.

In Diana, dem Nachbarsmädchen, findet sie die lang ersehnte Busenfreundin, mit der sie allerdings dann eine ganze Weile nicht einmal mehr sprechen darf, nachdem ihr wieder eines ihrer Missgeschicke passiert ist; und mit Gilbert Blythe, dem umschwärmten Jungen der Schule, spricht sie kein Wort mehr, seit er sie als Karotte bezeichnet hatte.

Es sind die kleinen Aufregungen eines Kinderlebens, das Drama, kein Kleid mit Puffärmeln zu tragen, eine Schulaufführung, der Wettkampf um den ersten Platz - nichts Besonderes also, und doch so herzerfrischend, dass es mir auch heute noch gut gefallen hat.

Dazu trägt natürlich der unerbittliche Redeschwall Annes viel bei; aus heutiger Sicht erscheinen zwar manche Kommentare geradezu hysterisch, doch wirkt das Mädchen dadurch auch unglaublich lebendig.

Die Rollenverteilung ist noch sehr klassisch, die Kirche spielt eine wesentliche Rolle, und auch sonst sind natürlich einige sehr verstaubte Ansichten zu finden; entsprechend bin ich auch durchaus etwas skeptisch, ob meine kleine Freundin mit dem Buch heute noch etwas anfangen kann. Aber einen Versuch ist es wert - schon alleine, damit ich mich selber vielleicht auch noch durch die Fortsetzungen lesen kann ;-)

Lucy Maud Montgomery

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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