Elizabeth Hickey - Der gemalte Kuss

Originaltitel: The Painted Kiss
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2005
270 Seiten, ISBN: 0743492609

Wien um die Jahrhundertwende und Kammer am Attersee kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs; das sind die beiden zeitlichen Fixpunkte, von denen ausgehend das Leben der Emilie Flöge erzählt wird, ihre eigenen Erinnerungen - und natürlich, untrennbar damit verbunden, die Geschichte Gustav Klimts.

Als Emilie den damals noch recht unbekannten Maler kennenlernt, ist sie zwölf - und sofort von ihm fasziniert. Dass ihr Vater ihn dann kurz darauf engagiert, um sie und ihre Schwestern malen zu lassen, ja, dass er dann sogar ihr Lehrer werden soll, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht ahnen.

Für das Mädchen, das in ausgesprochen behüteten, bürgerlichen Verhältnissen aufwächst, ist die selbstbestimmte und freie Welt des Malers für sich genommen schon ein Abenteuer. Und auch wenn sie anfangs an seinen Lehrmethoden fast verzweifelt, entwickelt sich zwischen ihnen dann doch eine ungemein intensive Freundschaft. Emilie erzählt er von seinen künstlerischen Bestrebungen, von seinen Idealen; so erlebt sie die Gründung der Sezession mit, deren erster Präsident Klimt wird.

Aber während sich zwischen Emilies Schwester Helene und Gustavs Bruder Ernst eine tiefe, romantische Liebe entspinnt, sie auch heiraten, bleiben Emilie und Gustav Freunde. Nur Freunde. Auch wenn sie von Zeit zu Zeit ihre Leidenschaft füreinander nicht unterdrücken können.

Und so, während Emilie nun auch an ihrer eigenen Karriere als Modedesignerin bastelt, erlebt sie auch seine wilden, zum Teil skandalösen Affären mit, leidet immer auch ein wenig unter ihrer Eifersucht, ist aber hellsichtig genug zu wissen, dass eine engere Verbindung mit diesem Mann sie letzlich beide ruinieren würde...

Man sollte von diesem Roman nicht unbedingt absolute Geschichtstreue erwarten; es ist keine Biographie, weder von Emilie, noch von Gustav Klimt. Wieweit deren Verhältnis zueinander wirklich ging, welche Gefühle sie füreinander hegten - das hat die Autorin in diesem Roman so erzählt, wie es sich für sie zu einem guten Roman fügte.

Wer sich aber darauf einlässt, eine leichte, nette Liebesgeschichte vor ein wenig künstlerischem Hintergrund zu lesen, der wird an diesem Buch sicher seine Freude haben. Für mich, die ich wenig Ahnung von Kunst habe, waren die Schilderungen der Gemälde, der Zeit, der dahintersteckenden Ideen, jedenfalls sehr spannend zu lesen (spannender als der eigentliche Plot, für mich zumindest) - und es hat Lust gemacht, sich nochmals mehr mit den Künstlern dieser Zeit auseinander zu sezten, beim nächsten Wien-Besuch den einen oder anderen Schauplatz zu besuchen, oder aber (gestern auch tatsächlich gemacht) nochmal in Kammer die Klimt-Spuren zu suchen.

Elizabeth Hickey

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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