Stephan Wackwitz - Ein unsichtbares Land

Originaltitel: Ein unsichtbares Land
Sachbuch. S. Fischer Verlag 2004
286 Seiten, ISBN: 3596164303

"Familienroman" ist dieses Buch untertitelt; in meinen Augen sehr irreführend, den ein Roman ist das hier nicht. Stephan Wackwitz hat sich, anhand der Aufzeichnungen seines Großvaters, auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, versucht, nicht nur dessen Entscheidungen und Einstellungen, sondern die einer ganzen Generation zu verstehen. Dazu geht er weit in der Geschichte zurück, hat gründlich recherchiert; das liest sich zwar manchmal sperrig, lohnt die Lektüre aber!

Es ist kein Buch, das man schnell oder zwischendurch lesen kann; dazu ist es zu sperrig, ist es auch zu anstrengend zu lesen. "Ein unsichtbares Land" ist mehr "Non-Fiction" als Roman; der Autor erzählt hier anhand der Aufzeichnungen seines Großvaters einerseits ein Stück Familiengeschichte, aber gleichzeitig versucht er auch, den Gründen für die Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts auf die Spur zu kommen. Sein Großvater war ihm zu Lebzeiten eher fremd; erst als er sich intensiv in diese Aufzeichnungen einliest werden auch dem Autor
einige Parallelen in den Lebensläufen und Haltungen deutlich.

Wir hatten uns über die Gesellschaftsschicht unterhalten, der Wackwitz Familie angehörte; aufgefallen war einigen, dass der seelsorgerische Aspekt in den Aufzeichnungen des Großvaters so gar nicht vorkam. Aber da dieser die Karriere als Theologe ja nicht aus innerer Berufung, sondern aus sehr pragmatischen Gründen wählte, ist das vielleicht nachzuvollziehen. Oder, wie auch vermutet wurde, Religion war für ihn ebenso selbstverständlich, wie man eben Klavier spielen konnte oder Orgel, darüber brauchte man auch nicht nachzudenken.

Wackwitz hat sicher sehr sehr gründlich recherchiert; aber insgesamt wurde sehr wenig erzählt, eher beschrieben oder philosophiert. Ob sich der Autor dabei manchmal ein Paar zu große Schuhe anzog oder ob wir es schlicht nicht verstanden haben bleibt dahingestellt.

Stephan Wackwitz

Stephan Wackwitz, 1952 in Stuttgart geboren, lebte in Tokio, Neu-Dehli, London, FF/M. Heute leitet er das Goethe-Institut in Krakau.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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