Zeruya Shalev - Späte Familie

Originaltitel: Thera
Roman. Berlin Verlag 2005
582 Seiten, ISBN: 3827004748

Ella hat sich von ihrem Mann getrennt. Ihn gebeten, auszuziehen, auch wenn er das nicht verstehen kann. Von ihrer Familie und ihren Freunden bekommen sie vorgehalten, dass sie nur an sich denke, nicht genug Rücksicht auf den kleinen Sohn nähme - und trotzdem: die Liebe, die einst so märchenhaft begann, ist für sie nicht mehr lebbar.

Erst als ihr Mann anfängt, diese Trennung zu akzeptieren, kommt bei Ella die Reue, der Versuch, alles rückgängig zu machen. Und dann eine neue Liebe, zu einem Mann, der noch verheiratet ist, ebenfalls Kinder hat, und nun eine Trennung durchleben muss - ihretwegen.

So findet sie sich dann in einer Situation wieder, die sie nie haben wollte - erneut im Alltag, und erschwert durch die fremden Kinder…

Es ist eigentlich eine völlig alltägliche Geschichte, die Zeruya Shalev hier erzählt - und gerade darum wird sie so quälend intensiv. Als Leser ist man oft kurz davor, Ella zu schütteln, sie aufzurütteln und ihr zu zeigen, dass sie dabei ist, auch ihre neue Beziehung zu zerstören, die Fehler aus der alten Ehe zu wiederholen.

Manchmal wurde mir das beim Lesen dann auch zu viel, zu hysterisch - aber insgesamt konnte ich das Gefühlsleben dieser Frau sehr intensiv beim Lesen miterleben und erleiden.

Die intellektuelle Ebene, in der von Ellas Arbeit als Archäologin berichtet wird, fand ich zwar grundsätzlich interessant, aber für mich war vor allem die Privatgeschichte von Bedeutung.

Zeruya Shalev

Zeruya Shalev wurde 1959 in Kibbutz Kinneret geboren. Sie studierte Bibelwissenschaften und arbeitet heute als Schriftstellerin und Verlagslektorin in Jerusalem. Liebesleben ist ihr zweiter Roman. Er wurde mit dem Golden-Book-Preis des israelischen Verlegerverbands ausgezeichnet. Davor erhielt Zeruya Shalev bereits den Preis des israelischen Ministerpräsidenten.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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