Karen Joy Fowler - Der Jane Austen Club

Originaltitel: The Jane Austen Book Club
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2004
288 Seiten, ISBN: 014102027X

Als Jocelyns beste Freundin Sylvia nach 30 Jahren Ehe vor der Scheidung steht, initiiert Jocelyn in bewährter Manier etwas, das sie davon ablenken soll. Jocelyn zeichnet sich dadurch aus, dass sie immer etwas organisiert. Und dass sie versucht, Leute zu verkuppeln. Schließlich hatten sich Sylvia und Daniel damals auch über sie kennengelernt - ja, eigentlich war sogar sie zuerst mit ihm zusammen gewesen.

Aber egal - jetzt steht die Scheidung bevor, und um Sylvia etwas abzulenken, ruft Jocelyn einen Buchclub ins Leben, in dem Jane Austen gelesen und diskutiert werden soll. Jane Austen-Leser? Das können ja eigentlich nur Frauen sein, und Bernadette, eine der ersten, die von Jocelyn gefragt wurde, ist auch der Meinung, es sollten keine Männer zugelassen werden. Doch einen gibt es doch, den Jocelyn dazubittet: Grigg, einen noch ziemlich jungen Mann, Computerexperte und Science-Fiction-Leser.

Mit Allegra, Sylvias lesbischer Tochter, und der jungen frankophilen Lehrerin Pryde ist die Runde vollzählig. Man trifft sich einmal monatlich, und die Lebensgeschichte der jeweiligen Gastgeberin wird dann in einem etwas seltsam eingeschobenen Rückblick erzählt, dazwischen wird ein wenig über Jane Austen geplaudert, und ganz zum Schluss kommt dann endlich auch ein wenig Bewegung ins Geschehen, es wird nochmal kurz ein bisschen lustig, und alles ist gut. Ende aus.

Man kann vielleicht aus dieser Kürzest-Zusammenfassung schon ahnen: nein, besonders erbaut hat mich das Buch nicht. Es hatte mich gereizt, weil ich Jane Austen mag, und weil ich Leserunden klasse finde und damit ja selbst auch ziemlich viel Zeit verbringe. Aber schon die Erzählperspektive, ein "wir", das immer offen lässt, wer jetzt eigentlich wirklich erzählt, empfand ich als absolut misslungen, und dann auch die Art, wie die Handlung aufgebaut wurde. Da hatte die Autorin versucht, Jane Austens Bücher mit dem Leben ihrer Protagonisten zu vermengen - und ist auf niedrigem Niveau gescheitert. Dann wurde ihr langweilig, also hat sie Jane Austen gleich mal ziemlich ausgelassen und stattdessen in Rückblenden ziemlich exotische Kindheits- und Jugendgeschichten erzählt, die mich absolut nicht interessiert haben - was weniger an den Geschichten als an der Erzählweise lag. Und dann wurde noch ein bisschen Handlung herbeigezaubert, um doch noch alles zu einem Abschluss zu bringen. Das war der einzige Teil, der mich zumindest ein wenig amüsiert hat.

Ein guter Ansatz, eine nette Idee, aber eine ziemlich lahme Umsetzung... ein Buch, das ich wirklich nicht weiterempfehlen kann.

Karen Joy Fowler

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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