Originaltitel: Ein allzu schönes Mädchen
Krimi. Rowohlt Verlag 2005
480 Seiten, ISBN: 3499236249


Mit Vergleichen wie "der deutsche Mankell", wie die Verlage sie gerne zur Leserverlockung auf den Umschlag drucken, tut man den meisten Autoren eigentlich keinen Gefallen. So auch hier; natürlich gibt es gewisse Ähnlichkeiten, auch hier ist der Ermittler eher ein Einzelgänger und melancholisch, aber damit sinds der Ähnlichkeiten auch schon wieder genug.
Aber nun zum Buch.
Als Auftakt gibts einen Autounfall, bei dem eine ganze Familie ums Leben kommt, nur die Tochter, die offensichtlich mit im Wagen saß, spurlos verschwunden bleibt und kurz danach das Auftauchen eines offensichtlich völlig verstörten Mädchens in einem kleinen Dorf in den Vogesen; aber so richtig interessant wird es erst einige Monate später, in Frankfurt.
Da entdeckt ein junger Mann, als er auf dem Heimweg von seinem Nachtdienst durch den Stadtwald radelt, eine übel zugerichtete männliche Leiche. Und Paul Marthaler, der an diesem Morgen eigentlich seinen wohlverdienten Urlaub antreten wollte, muss sich stattdessen auf die Suche nach einem Mörder machen.
Doch schon die Identität dieses Mannes ausfindig zu machen stellt sich als Problem heraus; erst als eine Braut vor dem Standesamt vergebens auf ihren Bräutigam wartet und die Familie eine Vermisstenanzeige aufgibt, kommt langsam LIcht ins Dunkle.
Der Bräutigam war wenige Tage vor der Hochzeit noch mit zwei Freunden zu einem Jungesellenabschieds-Ausflug aufgebrochen; doch auch von den beiden Freunden fehlt mittlerweile jede Spur, auch das Auto ist verschwunden. Eine Tankquittung führt immerhin zu der Erkenntnis, dass die drei Männer, als sie zuletzt gesehen wurden, in Begleitung eines außergewöhnlich schönen Mädchens waren.
Dann wird die zweite Leiche gefunden - ebenfalls einer der Freunde, ebenfalls übel zugerichtet. Die Jagd auf den dritten wird eröffnet...
Ganz nebenbei verliebt der seit Ewigkeiten verwitwete Marthaler sich ein wenig, hat Kompetenzstreitigkeiten innerhalb der Behörde, kauft sich ein Fahrrad, das kurz darauf wieder gestohlen wird - kurz, die Mischung wirkt vertraut, man erlebt keine Überraschungen, was den Handlungsaufbau angeht.
Die Auflösung ist leider etwas missglückt; unglaubwürdig, konstruiert und auch in ihrer Gesamtaussage etwas fragwürdig; dennoch habe ich mich bei der Lektüre dieses Krimis wunderbar unterhalten gefühlt. Seghers kann erzählen, er hält über weite Strecken einen Spannungsbogen, auch die kleinen Exkurse zwischendurch empfand ich als angenehm zu lesen. An manchen Stellen holpert es noch; doch dieser erste Teil einer neuen Serie (der zweite Band ist vor kurzem erschienen) war für mich sehr vielversprechend. Von meiner Seite eine klare Empfehlung!
alias: Matthias Altenburg wurde 1958 geboren. Der Schriftsteller, Kritiker und Essayist lebt in Frankfurt am Main.
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