Peter Henisch - Die schwangere Madonna

Originaltitel: Die schwangere Madonna
Roman. Residenz Verlag 2005
345 Seiten, ISBN: 3701714231

Mit dem Job als freier Mitarbeiter beim Rundfunk war auch die letzte finanzielle Absicherung weg, die Frau hatte ihn schon längst verlassen, seinen Sohn kümmerte es ohnehin nicht, was mit ihm los war, und überhaupt konnte man aus diesem Leben doch eigentlich nur noch abhaun.

Wie passend, dass auf dem Schulparkplatz, auf dem er vergeblich seinen Sohn hatte abholen wollen und einmal mehr gedemütigt worden war, ein Auto stand, dessen Schlüssel steckte. Außen. Eine einzige Einladung - und obwohl Josef noch nicht mal einen Führerschein besaß, fuhr er trotzdem einfach los.

Schon nach kurzer Zeit allerdings stellt er fest, dass er gar nicht allein ist; auf dem Rücksitz räkelt sich alsbald ein hübsches junges Mädchen, Maria. Auch sie ist nicht die Besitzerin des Autos, aber sie weiß wenigstens, wem es gehört: ihrem Religionslehrer. Und dem gehört es nicht anders, beschließt sie - schließlich ist sie von ihm schwanger, und ausgerechnet jetzt, wo sie ihm diese wichtige Mitteilung machen will, geht er auf Distanz zu ihr.

Und so fahren sie los, die Schülerin und der Loser; über die Grenze nach Italien, immer weiter gen Süden.

Es ist nicht so, dass Josef Maria nicht zurückschicken wollte, er hatte es mehrmals versucht. Allerdings war es ihm dann später, als sie tatsächlich verschwunden war, auch nicht mehr recht; zu dem Zeitpunkt hatte er längst begonnen, mit Argusaugen über sie zu wachen...

Ein österreichisch/italienisches Roadmovie also, inklusive Beinahe-Banküberfällen, absurden Begegnungen, Verschwinden, seltsamen Motiven, Eifersucht und Liebe.

Aus dem Stoff hätte man sicher noch das eine oder andere hervorholen können; mich hatte es allerdings eher erstaunt, dass ich nach den ersten 150 Seiten immer noch weitergelesen habe, bis zu dem Zeitpunkt hatte ich nämlich schon das Gefühl, das sich gar keine Handlung mehr entwickeln würde.

Ich könnte nicht sagen, dass "Die schwangere Madonna" ein schlechter Roman ist; immerhin bin ich trotz der relativ geringen Entwicklung am Lesen geblieben. Aber schon der Ich-Erzähler ging mir gehörig auf die Nerven in seinem ewigen Selbstmitleid und der nicht eingestandenen Alkoholsucht; sein Verhältnis zu Maria, dem jungen Mädchen, sollte wohl in mancher Hinsicht an Nabokovs Lolita erinnern, ohne aber an dessen Brillianz heranzureichen.

Alles in allem bin ich zwar froh, mal wieder einen österreichischen Autor gelesen zu haben, aber gleichzeitig auch nicht genügend überzeugt, diesen Roman auch weiterzuempfehlen.

Peter Henisch

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©15.09.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing