Dick Francis - Ausgestochen

Originaltitel: Break In - Deutsche Erstausgabe 1987 "Zahm und zerbrochen"
Krimi. Diogenes 1995
351 Seiten, ISBN: 3257228376

Einer der wenigen Fälle, in denen Dick Francis das Personal eines seiner Bücher in einem weiteren Fall verwendet - fortgesetzt wird "Hilflos", ein Krimi, den ich bereits vor drei Jahren gelesen hatte.

Aber nun zu Ausgestochen.

Kit (eigentlich Christmas) und Holly Fielding, Zwillinge, sind nach dem Tod ihrer Eltern bei den Großeltern aufgewachsen - und schon bei der Geburt wurde ihnen eine Abneigung gegen die Aldenhursts eingebläut. Die Gründe für die Familienfehde liegen so weit zurück, dass sie gar nicht mehr richtig nachvollziehbar sind. Doch wie schon in Romeo und Julia verliebt sich auch Holly natürlich ausgerechnet in den Abkömmling der Aldenhursts, heiratet ihn sogar, sehr zum Missfallen der restlichen Familie. Nur Kit, mit seiner Schwester ohnehin beinahe symbiotisch verbunden, lässt sich nicht abschrecken.

An Kit wendet sich Holly daher auch, als ihre Existenzgrundlage gefährdet ist: in der Klatschspalte der Rennsportzeitung wird über ihre unsichere finanzielle Existenz geschrieben, und damit auch keiner diese Information übersieht, wurde die Zeitung allen Lieferanten und Kunden mit rot gerahmtem Artikel zugestellt...

Nun wollen die Lieferanten plötzlich sofort bezahlt werden, Besitzer ihre Pferde aus dem Stall abziehen (ohne ihre eigene Rechnung vorher zu begleichen...) - und die Frage wird laut: wer könnte dafür verantwortlich sein? Hat etwa doch der Großvater seine Hände im Spiel? Oder Hollys Schwiegervater? Oder ist dieser das eigentliche Ziel der Verleumdungskampagne?

Je stärker Kit sich mit der ganzen Angelegenheit befasst, umso stärker wird auch er selbst bedroht...

Während der ersten 50 Seiten war ich immer wieder am Grübeln, ob ich das Buch nicht vielleicht doch schon gelesen habe, weil mir so viele Umstände bekannt vorkamen; dieser Umstand konnte dann zwar ausgeschalten werden, insgesamt blieb für mich aber doch das Gefühl zurück, dass der Autor hier ein Stückwerk geliefert hat, das er in einigen anderen Romanen bereits verwendet hatte. Besonders im Vergleich zum grandiosen 2. Teil fand ich diesen hier nicht ganz so überzeugend; aber immer noch ist Dick Francis ein Autor, der mich für ein paar Stunden einfach großartig unterhält.

Dick Francis

Dick Francis, geb. am 31.10.1920 als Richard Stanley Francis in Wales, war einst einer der bekanntesten Hockeys Englands, der auch für den Stall der Queen Mum antrat, bis 1956 ein Sturz seine Karriere beendete. "Scherben" war laut seiner eigenen Aussage sein letztes Buch, das er Königin Elisabeth, der Königinmutter, zum 100. Geburtstag gewidmet und erst auf ihre Bitte hin überhaupt noch geschrieben hatte. 2006 erschien dann aber ein weiterer Krimi, "Gambling / Under Orders", bereits in der Koautorschaft mit seinem Sohn Felix Francis. 3 weitere gemeinsame Romane folgten. Dick Francis verstarb am 14. Februar 2010 89jährig auf den Kaimaninseln, wo er zuletzt lebte, an Altersschwäche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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