Haruki Murakami - Tony Takitani

Originaltitel: Tony Takitani - aus der Story-Sammlung "Rekishinton no yurei"
Roman. Dumont Literaturverlag 2005
64 Seiten, ISBN: 3832179356

Tony Takitani wird als Sohn eines Jazz-Saxophonisten geboren, der während des Pazifikkriegs in Shanghai lebte - sehr gut lebte - dort zwielichtige Kontakte pflegte und daraufhin ins Gefängnis kam, aus dem außer ihm nur ein einziger anderer Japaner lebend hervorkam.
Wieder in Japan heiratete er nach einiger Zeit eine entfernte Cousine, die kurz nach Tonys Geburt starb.

Tony, zu Schulzeiten gemieden wegen seines amerikanischen Namens, hatte sich wohl auch aus Neigung zum Einzelgänger entwickelt; seine einzige große Leidenschaft galt dem Zeichnen, dem präzisen, exakten Zeichnen, besser als Fotografien.
Damit verdiente er dann auch nach dem Studium sein Leben, wurde reich, baute ein großes Haus, hatte zwar zeitweilig Freundinnen, doch nie etwas wirklich ernstes.

Bis eines Tages diese junge Studentin bei ihm auftauchte, die nur ein paar Skizzen abholen sollte. Nicht eigentlich schön im klassischen Sinne, doch mit einer unglaublichen Ausstrahlung und so perfekt gekleidet, dass die Stoffe wie ein Ausdruck ihres Wesens erschienen.
Nach kleinen Schwierigkeiten heiraten sie, leben glücklich - bis auf eine winzige Kleinigkeit. Sie kann es nicht lassen, Kleidungsstücke zu kaufen, ein ganzes Zimmer ist schon nur dafür reserviert…

Sie stirbt bei einem Autounfall. Und Tony lernt die Einsamkeit erneut kennen, nur diesmal mit dem Bewusstsein, wirklich alleine zu sein...

Im Gegensatz zum Film fand ich die Erzählung wesentlich ansprechender. Viele Punkte, die im Film für mich zu deutlich interpretiert wurden, wurden in der eigentlichen Erzählung offener gelassen, sind auch heiterer, nicht so bedeutungsüberfrachtet und dadurch erst recht interessanter. SO zum Beispiel die Gefängnisszene - im Film sieht man den Vater sich tragisch leidend am Boden winden - im Buch blickt er durchaus zufrieden auf sein bisheriges Leben zurück, und akzeptiert auch sein Los des wahrscheinlichen baldigen Todes.

Dennoch - diese kurze Erzählung, die äußerst großzügig auf halben Seiten gedruckt wurde, umrahmt von einer Menge Bilder aus dem Film, ist zwar schön anzusehen, aber vom Preis/Leistungsverhältnis wohl nur für echte Murakami-Fans nötig. Da es davon aber eine Menge gibt, wird es sich schon gut verkaufen ;-)

Haruki Murakami

Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte nach seinem großen Erfolg "Naokos Lächeln" längere Zeit in Europa und den USA, heute wieder in Tokio. Er ist der gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor von Romanen und Erzählungsbänden. Er hat die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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