Siegfried Lenz - Fundbüro

Originaltitel: Fundbüro
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2005
224 Seiten, ISBN: 3423133368

Henry Neff ist gerade mal 24, als er von seiner Position als Zugbegleiter ins Fundbüro versetzt wird; eine Position, die eigentlich ein Abstellgleis ist, denn Aufstiegsmöglichkeiten gibt es von hier aus fast keine.

Aber Henry ist ohnehin nicht ehrgeizig; er will sich wohlfühlen bei der Arbeit, das ist ihm wichtig, und hier fühlt er sich von Anfang an wohl, mit den Kollegen, mit der Arbeit, mit den Kunden, denen er oft helfen kann, ihr Eigentum wiederzufinden, auch wenn sie dafür häufig die seltsamsten Eigentumsnachweise erbringen müssen.

Einige Freundschaften werden geknüpft, zwei Beziehungen entstehen beinahe, die Bahn baut Stellen ab und Henry will seine Position opfern, damit die anderen bleiben können; alles das plätschert so vor sich hin, genauso ziellos, wie auch Henrys Leben verläuft. Einmal Leben weichgespült, bitte - dann liest sich auch der Angriff einer Gang Motorradfahrer nicht spektakulärer als das Zwitschern des Dompfaffs in seinem Bauer.

Ich muss sagen: ich war ziemlich enttäuscht, ich hatte von diesem Autor ja noch nicht viel gelesen, war von seiner feinen Beobachtungsgabe im "Zaungast" und seinem persönlichen Auftreten jedoch sehr begeistert gewesen. "Fundbüro" hingegen wird wohl ziemlich rasch aus meinem Gedächtnis verschwinden.

Siegfried Lenz

Siegfried Lenz wurde 1926 in Lyck in Ostpreußen geboren und lebt in Hamburg. Lenz ist der Sohn eines Zollbeamten in Masuren. 1939 kam er in die Hitler-Jugend, und 1943 machte er seine Notabitur. Dann diente er in der Kriegsmarine, und er überlebte die Versenkung seines Schiffes. Er desertierte in Dänemark und kam in englische Kriegsgefangenschaft. 1945 begann er in Hamburg Philosophie, Anglistik und Literaturwissenschaft zu studieren. Zur gleichen Zeit schrieb er für verschiedene Zeitungen, und 1950 wurde er Feuilletonredakteur. Von 1965 bis zum Beginn der 70er Jahre arbeitete er in Wahlkämpfen für die SPD. Unter anderen erhielt er den Bremer Literaturpreis (1961), den Literaturpreis der deutschen Freimaurer (1970) und den Thomas-Mann-Preis (1984).

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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