Stefan Slupetzky - Der Fall des Lemming

Originaltitel: Der Fall des Lemming
Krimi. Rowohlt Verlag 2004
252 Seiten, ISBN: 3499239787

Es gab eine Zeit, da war Leopold Wallisch, genannt "der Lemming", bei der Wiener Polizei. Sein Partner war damals Krotznig, ein brutales, effektives Ekelpaket, der auch dafür sorgte, dass der Lemming diesen Job verlor. Nun schlägt er sich als Privatdetektiv durch, überwacht Ehebrecher und ähnlichen Kleinkram.

Die Überwachung des pensionierten Lehrers Grinzinger scheint nur ein weiterer unangenehmer Auftrag zu sein, etwas seltsam zwar - aber dass der Lemming Grinzinger kurz aus den Augen verliert und dieser dann, als er ihn wiederfindet, tot ist, macht die Sache doch etwas komplizierter. Noch dazu, weil die Polizei unmittelbar danach auftaucht und ihn als Mörder festnehmen will…

Ausgerechnet Krotznig ist es, der diesen Fall bearbeitet, der ihn auch unbedingt raushaben will. Aber der Lemming forscht selbst weiter - und stößt auf eine höchst interessante Geschichte von sadistischen Lehrern und einer seltsamen Häufung von Schülerselbstmorden...

Nach den ersten Seiten wollte ich das Buch eigentlich weglegen. Nicht, weil es schlecht geschrieben war, sondern weil es mir zu derb war. Aber schon bald konnte ich nicht mehr aufhören.

Gut und zügig geschrieben, mit einer sehr stimmigen Sprache - es wird viel Wienerisch gesprochen in diesem Roman, was von einigen Wienern bei amazon zwar als "ganz so schlimm ists aber nicht" kritisiert wurde, mir aber trotzdem sehr glaubhaft erschien. Die Bildersprache passt wunderbar, es hat einen ganz eigenen, morbiden Witz, und die erzählte Geschichte ist gut und hat überraschende Wendungen.

Natürlich war es vor allem der Schauplatz WIEN der mich ursprünglich gereizt hatte, das Buch überhaupt zu lesen, aber ich bin überzeugt, dass auch Krimifreunde ohne "österreichisches Interesse" wirklich Spaß an diesem Buch haben werden.

Stefan Slupetzky

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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