Robert Harris - Pompeji

Originaltitel: Pompeji
Roman. Heyne Verlag 2005
379 Seiten, ISBN: 3453470133

Eines konnten die alten Römer: sich mit Wasser versorgen. Ihre Städte wurden durch Aquädukte mit dem kostbaren Nass versorgt. Und für eines dieser Aquädukte, das Pompeji und Misenium mit Wasser versorgte, war seit wenigen Tagen der junge Aquarius Attilius zuständig. Sein Vorgänger war eines Tages spurlos verschwunden gewesen, nachdem er sich davor 20 Jahre um das kostbare Nass gekümmert hatte und sicher mehr über dessen Geheimnisse wusste als jeder andere in der Region.

Außer vielleicht noch Corax, der nun dem neuen Aquarius Attilius unterstellt war - was ihm ganz offensichtlich überhaupt nicht behagte.

Es war ein ausgesprochen heißer Sommer gewesen, eine Dürre war im Land - und die Augusta drohte zu versiegen. Natürlich war an allem nur dieser junge Aquarius schuld, wenn man Corax Glauben schenken sollte - und dann kommt eines Tages tatsächlich die Hiobsbotschaft: es fließt kein Wasser mehr. Und das noch vorhandene Wasser könnte durch Schwefel verseucht sein... Nur Pompeji wird noch versorgt, also muss der Schaden irgendwo hinter der Abzweigung für diese Stadt liegen; Attilius macht sich mit seinen Männern auf den Weg, die Schadstelle zu finden und zu reparieren. Zwei Tage hat er dafür Zeit - denn die Wasservorräte in der großen Hafenstadt reichen noch gerade so lange, sofern man das Wasser rationierte, selbstverständlich.

Aber nicht alle sind daran interessiert, dass der neue Aquarius zu viel über die Wege des Wassers erfährt - denn, wie er durch die Hilfe der schönen Corelia merkt: es gibt eine Verschwörung, und Corelias Vater, der freigelassene und reich gewordene Ampliatus, ist nicht nur am Rande darin verwickelt.

Zudem mehren sich die Vorzeichen, das ein drohendes Unheil in der Luft liegt...
Wir, die Leser, wissen ja, worum es sich handelt: um den Ausbruch des Vesuv, der Pompeji völlig unter sich begraben sollte. Die kleinen Anzeichen, die Attilius bemerkt, der Schwefel, das seltsame Kräuseln der Wasseroberfläche, das Rauchverhalten... all das (zusammen mit den jedem Kapitel vorangestellten Lexikonauszüge) geben schon Hinweise darauf, was bald geschehen wird. Und sie sollen dem Leser vermitteln: wenn dieser Aquarius wirklich gut ist, dann wird er nicht nur sich, sondern auch noch andere in Sicherheit bringen. Und ganz nebenbei natürlich noch den Betrug aufdecken, in den er plötzlich auch mit verwickelt werden soll...

Nachdem ich gerade das Hörbuch gehört hatte und mich über die seltsam stereotype Zeichnung der Charaktere etwas gewundert hatte, und weil ich ein paar Formulierungen im Hörbuch als störend empfand (und weil ich das Buch ohnehin schon lange auf dem SUB habe) habe ich es also unmittelbar nach dem Hörbuch gelesen.

Leider musste ich dabei feststellen, dass die von mir bemerkten Mängel eher im Buch begründet waren. Es ist eine sicherlich ausgezeichnet recherchierte Geschichte; aber vom erzählerischen Standpunkt her hat es mich nicht begeistert. Harris erweckt seine Protagonisten nicht wirklich zum Leben; sie sind Schablonen, die auf historischem Hintergrund hin und her geschoben werden, um dem Leser einen möglichen Eindruck von einem jedermann bekannten Ereignis zu gewähren.

Wobei - ich bin hier wahrscheinlich ein wenig unfair. Mich interessiert seit jeher mehr die psychologische Entwicklung von Figuren, und wenn diese in einem Roman fehlt, dann langweilt er mich eher. Und trotz solider Recherche und nett gestricktem Plot fehlt mir eben diese Tiefe an den Hauptfiguren, die für mich den eigentlichen Lesereiz erst ausmachen.

Robert Harris

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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