Christa Hein - Der Blick durch den Spiegel

Originaltitel: Der Blick durch den Spiegel
Roman. Goldmann Verlag 2000
443 Seiten, ISBN: 3442443229

Dass Sophie Berkholz Mathematik studiert hat und nun auch noch an der Universität in Riga unterrichtet, wird von der Familie zwar geduldet, aber dennoch nicht gerne gesehen. Sie soll lieber, wie ihre Schwester, heiraten, Kinder kriegen - und wenn sie sich nicht selbst um einen Ehemann kümmert, dann sieht sich eben der Vater um. Doch zu seinem Geschäftsfreund, Mr. Ashton, entspinnt sich nur eine Freundschaft. Albert hingegen, den Ingenieur, heiratet sie einige Jahre später. Dieser ist jedoch kaum in Riga, da er für den Zaren Brücken und Docks konstruiert - kriegswichtige Anlagen, wie sich noch früh genug herausstellen sollte. Kurz bevor die Japaner Russland angreifen, wird er für ein Jahr nach Port Arthur versetzt und bittet seine Frau, ihm zu folgen - und dabei ein paar Pläne versteckt mitzubringen.
In welche Gefahr er sie damit bringt, ist ihm wohl selbst nicht bewusst - nicht nur, dass die Japaner hinter diesen Plänen her sind, ist auch seine Ehe in Gefahr, denn die lange erzwungene Nähe schafft zwischen Sophie und Mr. Stanton eine Vertrautheit, die für eine verheiratete Frau nicht akzeptabel ist…

Von ihrem Mann belächelt, geht sie auch in Asien ihrer Leidenschaft, der Fotografie, nach - und schafft es, ihre Bilder nach Kriegsausbruch auch tatsächlich einem Journalisten verkaufen zu können. Ihre Emanzipation beginnt…
Für mich hat dieser Roman hauptsächlich dadurch gewonnen, dass ich während der Lektüre gerade den Ausgangspunkt des Romans besucht und somit die Schauplätze vor Augen hatte; ansonsten ist das Grundthema zwar sehr interessant, die Umsetzung für mich persönlich aber nicht ganz überzeugend gelungen. Die Autorin versucht in meinen Augen, die Protagnisten zu intellektualisieren, ihnen Dialoge in den Mund zu legen, die nicht stimmig sind, und das vor dem Hintergrund einer doch recht alltäglichen Dreiecksgeschichte, die eigentlich nur durch das exotische Ambiente nicht zu kitschig wird.

War zwar nett zu lesen, ist aber kein Buch, das ich mit Nachruck empfehlen würde.

Christa Hein

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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