Elfriede Jelinek - Die Liebhaberinnen

Originaltitel: Die Liebhaberinnen
Roman. Rowohlt Verlag 1975
157 Seiten, ISBN: 349912467X

Die grobe Handlung des Buches ist rasch erzählt:
In der Stadt gibt es Brigitte, sie ist eine ungelernte Arbeiterin in einer Miederfabrik und will da raus. Den Aufstieg hofft sie über Heinz zu schaffen, der Elektroinstallateur gelernt hat und hoffentlich einmal ein eigenes Geschäft haben wird. Heinzens Eltern wollen aber etwas Besseres für ihren Sohn, einen Aufstieg, und keine Frau, die wieder unter ihm steht. Zum Beispiel Susi, die Gymnasiastin, die jedoch ihrerseits ebenfalls nach etwas Höherem strebt. Und so versucht Brigitte Heinz davon zu überzeugen, dass er ohne sie nicht leben kann, und ihn vor allem - obwohl sie ihn hasst - mit einem Kind an sich zu fesseln, was ihr schlussendlich auch gelingt.

Paula im Gegenzug, ein Landkind, setzt mit viel Aufwand durch, dass sie etwas Besseres als Verkäuferin lernen darf: sie will Schneiderin werden. Aber noch während der Lehrzeit begegnet sie Erich, einem gutaussehenden, aber grobschlächtigen und geistig sehr minderbemittelten Holzarbeiter. Sofort vorbei sind die Träume vom Fleischermeister oder anderen "besseren" Männern - Paula ist verliebt und hat nur noch ein Ziel: Erich und ein eigenes Heim. Der erste körperliche Kontakt hat auch gleich Folgen, doch Erich denkt gar nicht daran, Paula zu heiraten... erst als das Kind schon da ist, gelingt es der geballten Verwandtschaft, ihn zur Hochzeit zu bewegen. Aber nichts mit eigenem Heim, ein Zimmer im Haus der Eltern ist alles, was ihnen zur Verfügung steht, und die Chancen auf mehr versäuft Erich auch in schöner Regelmäßigkeit. Und dann gehts noch völlig den Bach runter...

Schlussendlich ist Brigitte dann mit Heinz verheiratet, seine Eltern werden aus dem Haus geekelt, das Kind gedeiht, das Geschäft auch, und die Fabrik ist sie los.
Paula hingegen... wird schuldig geschieden, sieht ihre Kinder nicht mehr und rackert sich nun am Fließband der Miederfabrik ab, die Brigitte verlassen hat.

Soweit, so plakativ. aber es ist echt toll geschrieben, verdammt zynisch, viele sehr sehr treffende winzige Einzelbeobachtungen, die in ihrer Überzeichnung sehr genau treffen.

Elfriede Jelinek

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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