Marc Elsberg – Zero

zeroNachdem ich von “Blackout” trotz einiger Mängel (eher flache Charaktere, schlichte Sprache) sehr angetan war, war ich natürlich auch auf das neueste Werk von Elsberg gespannt.

Diesmal erzählt er davon, was mit all den Daten, die wir den Datenkraken jeden Tag bereitwillig überlassen, geschehen kann. Dazu lässt er eine engagierte, aufrechte Journalistin, die allerdings wenig Ahnung von der digitalen Welt hat, auf die Suche nach “Zero” gehen, einer Untergrundorganisation, der es gelungen ist, Drohnen zum amerikanischen Präsidenten einzuschleusen und so zu zeigen, wie wenig die Sicherheit heute noch gewährleistet werden kann.

Der Ansatz ist also durchaus interessant, auch einige der Gedankenexperimente (die nicht so weit hergeholt sind, vieles davon ist in mehr oder weniger ausgeprägter Form schon Standard). Aber es ist so hanebüchern umgesetzt… der Plot knirscht und kracht an allen Ecken und Enden, gerade gegen Ende hin wird fast ausschließlich auf diverse Verfolgungsjagden gesetzt, wobei der psychologische Aspekt der Handlung völlig auf der Strecke bleibt (und damit auch die Logik).

Nein – das geht besser.

Daniel Glattauer – Geschenkt

glattauerUnd plötzlich ist man Vater eines Sohnes. Eines vierzehnjährigen Sohnes. Der nichts davon wissen soll, dass er der Sohn ist – aber weil die Kindsmutter für ein Jahr nach Afrika geht um dort die Welt ein bisschen besser zu machen, braucht sie kurzfristig jemanden, der das gar nicht mehr so kleine Kind nachmittags unter seine Fittiche nimmt.

Für Gerold Plassek erweist sich diese Wendung als schicksalshaft. Er, der jeden Abend mit zweifelhaften Freunden in der Bar versumpft, der in seinem Leben nichts auf die Reihe kriegt und seit seiner Scheidung nur durch Ex-Schwiegervaters Gnaden in einer Gratiszeitung für die Kurzmeldungen in der Rubrik “Soziales” zuständig ist, wird plötzlich ein wenig aus seiner Komfortzone gerissen.

Aber mehr noch als diese Begegnung ist es ein anderer Umstand, der zu Neuerungen führt. Ein Wohltäter hat sich eine seiner Meldungen ausgesucht, um einen Umschlag mit Bargeld einer der Einrichtungen zukommen zu lassen, über die er berichtet hatte.

Die Geschenke wiederholen sich. Stets wird eine Meldung von Plassek verwendet – und der Spender will anonym bleiben. In Plassek werden längst verschüttet geglaubte moralische Prinzipien wieder zum Leben erweckt – und Stück für Stück bröckelt das alte Leben weg und wie Phönix aus der Asche erschafft er sich selbst neu. Weiterlesen

Christine Nöstlinger – Fußballgeschichten vom Franz

Noestlinger+Fussballgeschichten-vom-FranzChristine Nöstlinger kenne ich schon aus meiner eigenen Kindheit. Meine erste Begegnung hatte ich mit dem Dschi Dschei Wischer, der morgens im Radio seinen Auftritt hatte – der Gurkenkönig, Konrad aus der Konservenbüchse, sie alle kamen hinterher. Den Franz allerdings habe ich dann erst ein paar Jahre später kennen gelernt, als ich dem kleinen Nachbarsmädchen manchmal vorgelesen habe – und diese Liebe ist mir geblieben.

Sie kennen den Franz noch nicht? Der Franz ist ein  Wiener Junge, recht klein für sein Alter, mit einem blonden Lockenkopf, einer Stupsnase und strahlend blauen Augen, der aufgrund seines Aussehens zu seinem Ärger oft für ein Mädchen gehalten wird. Dass er immer dann, wenn er sich ärgert, eine hohe piepsige Stimme bekommt, hilft da natürlich nicht unbedingt…

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Anna Mitgutsch – Zwei Leben und ein Tag

mitgutschAus den Archiven der LESELUST – Das besondere Buch. Damit diese Bücher im neuen Blog-Format nicht in Vergessenheit geraten, werden sie hier in den nächsten Wochen neu eingestellt. Vielleicht ist ja doch noch die eine oder andere Entdeckung für euch dabei!

Er war ihr erstes Gesprächsthema beim Kennenlernen, und er hat sie auch danach ihr ganzes Eheleben lang begleitet: Herman Melville, der zu Lebzeiten verkannte Autor, über den Edith und Leonard unermüdlich Material sammelten, in der vagen Hoffnung, eines Tages gemeinsam eine Biographie zu verfassen. Weiterlesen

Edith Schreiber-Wicke und Carola Holland – Als die bunten Raben kamen

RabenIn diesem Band sind drei Geschichten von den Raben enthalten – am meisten vorgelesen wird bei uns die erste Geschichte, “Als die Raben noch bunt waren”.

Darin wird die Geschichte erzählt, wie einst die Raben in den buntesten Farben des Regenbogens herumflogen. Blau, grün, gelb, getupft, gestreift – es war eine wahre Farbenpracht.

Doch wie es oft so ist: Plötzlich kam die Frage auf, welche Farbe denn nun eigentlich die “echten”, die wirklichen Raben hätten. Und unter den Raben entsprang ein großer Farbenstreit. Weiterlesen

Neuzugänge Onleihe, Schweizer Buchpreis und Literaturpreis Alpha

schweizerbuchpreis2Kaum hatte ich vergangene Woche die Neuzugänge in der Onleihe Hamburg gepostet, wurde auch schon der nächste Schwung Neuzugänge dort online gestellt. Die in meinen Augen interessantesten Titel habe ich für euch rausgesucht:

  • Vargas Llosa, Mario – Alles Boulevard
  • Hemon, Aleksandar – Das Buch meiner Leben
  • Strout, Elizabeth – Das Leben, natürlich
  • Breznik, Melitta – Der Sommer hat lange auf sich warten lassen
  • Begley, Louis – Ehrensachen
  • Begley, Louis – Schmidts Bewährung
  • Welsh, Renate – Großmutters Schuhe
  • Geltinger, Gunter – Moor
  • Sackville, Amy – Ruhepool
  • Boyle, TC – San Miguel Weiterlesen

Thomas Glavinic – Das größere Wunder

glavinicWas mir bei diesem Buch als erstes ins Auge gestochen ist? Das Cover. Wunderbare Berglandschaft, darüber eine rätselhafte Mondfolge, die wie ein Lichtsignal an eine größere Macht erscheint. Farblich ebenfalls toll umgesetzt, kurzum: ein echter Hingucker. Auch wenn man, so wie ich, nicht unbedingt als Bergfan zu bezeichnen ist.
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Daniel Kehlmann – F

kehlmannIch mag Daniel Kehlmann. Ich habe mich bei der “Vermessung der Welt” köstlich amüsiert, und auch “Ich und Kaminski” war für mich eine sehr lohnende Lektüre. Ich habe auch die anderen Bücher gelesen, allerdings mit etwas weniger Begeisterung. Weiterlesen

Reinhard Kaiser-Mühlecker – Roter Flieder

40423_1_kaiser-muehlecker_bb_web1Manchmal schrecke ich völlig zu Unrecht vor dicken Büchern zurück. Dieses hier habe ich schon kurz nach Erscheinen gekauft – weil mir “Magdalenaberg” sehr gut gefallen hatte und ich den Autor weiter verfolgen möchte. Nur gelesen habe ich es lange nicht – bis es nun zum Glück von meinem Lesekreis gewählt wurde. Trotzdem habe ich beinahe widerwillig zu lesen begonnen; schließlich ist gerade Buchpreiszeit, und ich bin im Longlist-Fieber. Weiterlesen

Norbert Gstrein – Eine Ahnung vom Anfang

Gstrein - Eine Ahnung..Es gab eine Bombendrohung in der kleinen Stadt, irgendwo in Österreich, in Tirol. Auf dem Fahndungsfoto meint Anton, Lehrer in dieser Kleinstadt, seinen ehemaligen Schüler Daniel zu erkennen. Daniel. Einer der intelligentesten Schüler, die er jemals hatte, zweifellos der, zu dem er das engste Verhältnis aufgebaut hatte, auch wenn er nicht hätte sagen können, warum nun eigentlich. Weiterlesen