Teju Cole – Open City. Leserundenlektüre, mittendrin

coleIch bin ein wenig ratlos. Ich habe mittlerweile etwa die Hälfte des hoch gelobten Romans von Teju Cole gelesen und bin mir unschlüssig, wie ich meine eigenen Leseeindrücke dazu einordnen soll.

Es ist ein Roman, der mir sehr fern bleibt. Und das liegt nicht unbedingt an den Themen, die er anschneidet. Ich mag New York, lese gerne darüber, bin auch an Geschichten über das Leben nach 9/11 interessiert. Psychologie – ebenfalls eines der Themen, die mich reizen. Stadtspaziergänge, etwas entdecken, flanieren… ja, doch, das mag ich. Eigentlich.

Und ich mag es auch an Cole, es sind viele kleine Episoden, die mich durchaus interessieren und die mir auch sprachlich gefallen. Aber immer dann, wenn ich gerade dabei bin, mich für eines seiner Themen zu erwärmen, ist es schon wieder vorbei, und er geht weiter zum nächsten. Weiterlesen

Abraham Verghese – Rückkehr nach Missing (Cutting for Stone)

vergheseAus den Archiven der LESELUST – Das besondere Buch. Damit diese Bücher im neuen Blog-Format nicht in Vergessenheit geraten, werden sie hier in den nächsten Wochen neu eingestellt. Vielleicht ist ja doch noch die eine oder andere Entdeckung für euch dabei!

Marion und Shiva Stone werden Mitte des 20. Jahrhunderts als siamesische Zwillinge in einer äthiopischen Missionsstation von einer indischen Nonne geboren. In diesem einen kurzen Satz sind bereits eine Unzahl an Geschichten und Hintergründen verborgen, die diesen Roman für mich so außergewöhnlich fesselnd gemacht haben – auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag, als ob hier mit Sensationslust und billigen Effekten Spannung erzeugt werden sollte. Doch der Autor zeigt hier Irving´sche Qualitäten und schafft es, diese seltsame Ausgangslage als grandiosen Auftakt des schönsten Romans werden zu lassen, den ich 2009 gelesen habe. Weiterlesen

Nellja Veremej – Berlin liegt im Osten

veremejSeit ewigen Zeiten bewegen die Migrantenströme sich westwärts. Auch Lena, die Hauptperson dieses Romans, hat es in den Westen gezogen. Aufgewachsen ist sie in Sibieren, nahe Japan, dann am Kaukasus, um schließlich in Leningrad zu studieren und nach der Wende mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter nach Berlin zu emigrieren. Weiterlesen

Melinda Nadj Abonji – Tauben fliegen auf

abonjiNichts hat sich hier verändert, moniert Herr Kocsis jedes Jahr wieder, wenn sie in die schlechten, staubigen Straßen ihrer Heimatstadt in der Vojvodina einfahren. Nichts hat sich verändert, stellen dagegen seine Töchter Ildiko (aus deren Sicht der Roman erzählt wird) und Nomi fest. Alles müssen sie wieder in Besitz nehmen, überprüfen, vom Hackklotz im Hof bis zum Zaun und natürlich ihre Mamika, die Großmutter. Begeistert stürzen sie sich auf die vollen Teller, es wird aufgekocht, dazu die lokalen Spezialitäten wie Traubisoda, das so lecker ist, dass sie davon eigentlich ein paar Flaschen in die Schweiz mitnehmen müssten, um sie ihren dortigen Freundinnen zu kosten zu geben. Und doch nehmen sie nie welches mit – zu genau können sie sich vorstellen, wie geringschätzig die Reaktion ausfallen würde. Weiterlesen