Patrick Modiano – Der Horizont (L´Horizon)

Modiano_23951_MR.inddNach dem “Cafe der verlorenen Jugend” noch eine “letzte Chance”, die der diesjährige Literaturnobelpreisträger von mir erhielt. Und in gewisser Weise hat mich dieses Buch auch wieder mit ihm versöhnt.

Im Mittelpunkt steht hier eine junge Frau; der Erzähler hatte sie eines Tages zufällig auf der Straße kennen (und später lieben) gelernt; sie ist geprägt von Angst, Angst vor einem Mann, dessen Auftauchen sie immer und an jeder Stelle befürchtet.

Es dauert lange, bis man erfährt, wer dieser Mann überhaupt ist, woher sie ihn kennt und was bisher geschah; bis dahin ist es die Geschichte einer Frau, die immer wieder alle Zelte hinter sich abbricht und komplett neu anfängt.

Zuletzt tut sie das in Berlin… ausführlich wird hier beschrieben, welchen Weg der Erzähler vom Prenzlauer Berg nach Kreuzberg unternimmt, wo sie eine Buchhandlung betreibt. Doch gerade, weil hier einerseits so akkurat beschreiben wird, dass sogar die Postleitzahl und die Anfangsziffern der Telefonnummer passen, ist die Verwechslung der beiden Stadtbezirke mir darum umso negativer aufgefallen.

Auch wenn ich dieses schmale Büchlein deutlich lieber gelesen habe als meinen letzten Modiano-Versuch: eines ist jetzt noch deutlicher als vorher. Der Autor liegt mir einfach nicht.

Patrick Modiano – Im Café der verlorenen Jugend (Dans le café de la jeunesse perdue)

modianoEs gab nur wenige Passagen in diesem (ohnehin recht dünnen) Bändchen des aktuellen Literaturnobelpreisträgers, bei denen ich das Gefühl hatte, nicht nur irgendwelche mehr oder weniger zusammenhängende Worte zu lesen, ohne daraus wirklich etwas entnehmen zu können.

Es geht um eine junge Frau, die aus verschiedenen Perspektiven geschildert wird; getroffen hat man sich in einem Cafe, sie war Stammgast, jeder kannte sie – und doch auch wieder nicht.

Der kurze Teil, in dem ihre Kindheit und Jugend am Montparnasse erzählt wird haben mich dabei noch am ehesten interessiert.

Ich weiß nicht, woran es lag – dass ich diese Zeit nicht miterlebt habe, dass ich Paris so gut wie gar nicht kenne, dass mir diese Art des Lebens so völlig fremd ist – jedenfalls fand ich von Anfang an keinen Zugang. Ein gewisses Unverständnis bleibt mir daher auch, wofür konkret der Literaturnobelpreis bei diesem Autor denn nun verliehen wurde – aber dieses Rätsel werden wir wohl ohnehin nie lösen können. Da wäre mir ja beinahe noch Murakami als Preisträger lieber gewesen…

Patrick Modiano – Ein so junger Hund (Chien de printemps)

hundAus gegebenem Anlass mal wieder ein Fundstückchen aus dem Archiv:
2014 wird Patrick Modiano mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Vor 10 Jahren habe ich erstmals ein Buch von ihm gelesen – das mich nicht überzeugt hatte. Ich werde es nochmal mit dem Autor versuchen, mein Lesegeschmack hat sich schließlich geändert…

Was aus der Freundin geworden war, mit der er da auf einer Parkbank fotografiert worden war, konnte der Erzähler dieser Geschichte nicht sagen; irgendwann aus seinem Leben verschwunden, so wie auch Jansen, der das Bild vor fast 30 Jahren aufgenommen hatte.

Aber Jansen hatte in seinem Leben viel stärkere Spuren hinterlassen; nach den Aufnahmen hatten sie ihn in sein Atelier begleitet, hatten die drei Koffer gesehen, in denen er seine Bilder aufbewahrte, kunterbunt und ungeordnet. Für Jansen war die Zeit gekommen, das alles hinter sich zu lassen, er wollte die Spuren tilgen, wollte einfach weggehen, aufbrechen – doch einst hatte auch er versucht, die flüchtigen Momente festzuhalten, hatte nicht nur auf den Auslöser gedrückt, sondern gewissenhaft Namen und Orte auf die Rückseite der Bilder geschrieben.

Aus einem Impuls heraus bietet der Junge an, ein Register der Bilder zu erstellen; unbezahlt, aus Interesse. So arbeitet er sich durch die Jahre, die Lebensstationen des Fotografen, der mit Auskünften über sich selbst so sparsam bleibt – vor allem, wenn es um Colette geht, Colette, die auch der Erzähler einst kannte… Weiterlesen

Martin Olczak – Die Akademiemorde (Akademimorden)

akademieKommentar in aller Kürze:
Fängt interessant an, eine nette Geschichte rund um Literatur und Morde. Die Mitglieder der schwedischen Akademie, die jährlich den Nobelpreis für Literatur beginnt, werden der Reihe nach unter seltsamen Umständen getötet, und das Motiv dafür ist, soviel darf man glaube ich verraten, in der Literatur versteckt. Kein Wunder also, dass die Ermittler in Claudia Rodrigez einen Antiquar zu Rate zieht.
Aber die wird rasch aus dem Fall ausgeschlossen (Die Begründung dafür war das erste wirklich große Ärgernis) und ermittelt dann auf eigene Faust weiter.
Im Gegensatz zur Polizei erschließen sich ihnen die Zusammenhänge natürlich sofort…
Was auf dem ersten 100 Seiten noch nach netter, kurzweiliger, wenn auch nicht besonders anspruchsvoller Lektüre aussah, hat mich im weiteren Verlauf des Buches zunehmend geärgert. Ein Krimi muss schon sehr gut geschrieben sein, damit ich Logik und Wahrscheinlichkeit komplett ausschalten kann. Und das war dieses Buch leider nicht. Sprachlich simpel, voller Wiederholungen… nach den enthusiastischen Kritiken hatte ich mir deutlich mehr erwartet

Klappentext: Stockholm, im Mai: Im weltberühmten Hotel Berns Salonger hat man gerade Strindbergs 100. Todestag begangen. Die Festrede hielt der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, ein würdiger Mann und ebenfalls angesehener Schriftsteller. Jetzt kurz vor Mitternacht ist er auf dem Weg nach Hause, durch einen abgeschiedenen Park. Hier trifft es ihn unvermittelt, das Schicksal. Hier wird er ermordet. Tatwaffe ist ein altertümlicher Schwarzpulverrevolver, der die Polizei vor Rätsel stellt. Noch bevor sie sich für eine Ermittlungsrichtung entscheiden kann, geschehen am nächsten Tag vier weitere, ebenso schonungslose Morde. Die Opfer: ebenfalls Mitglieder der Akademie, die für die Auslobung des jährlichen Literaturnobelpreisträgers verantwortlich ist. Was treibt den Mörder um? Klar ist, dass die anderen Akademiemitglieder geschützt werden müssen. Klar ist auch, dass hier konventionelle Methoden nicht weiterhelfen. Claudia Rodriguez von der Zentralen Mordkomission ermittelt auf eigene Faust – und gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Statt dessen bittet sie ihren alten Freund Leo Dorfman um Hilfe, einen Buchantiquar …

Philip Roth erhält den Literaturnobelpreis 2013!

nobelpreisDiese Nachricht wird in jedem Jahr mit Spannung erwartet, Wetten werden abgeschlossen (auch in diesem Jahr lag dabei Haruki Murakami weit vorne) – und dann kommt der große Moment.

Lieber Leser dieses Blogs, vor allem, wenn Sie jetzt zufällig und durch die Überschrift hierhergelockt wurden, weil auch Sie diese Nachricht gerne gelesen hätten… ich bitte vielmals um Verziehung. Denn es ist mein Wunschdenken, das sich in dieser einen Zeile manifestiert hat. Ich wollte diese Überschrift so gerne lesen, dass ich sie, mangels Realität, eben selbst schreiben musste… Weiterlesen

Alice Munro – Tricks (Runway)

munroDrei der Erzählungen im hier vorliegenden Band sind lose miteinander verknüpft -und sind für mich auch die, die mich am stärksten beeindruckt haben:

Es geht um Juliet, eine junge Lehrerin, die anfangs froh ist, einen Aushilfsjob als Lehrerin bekommen zu haben. In der Kleinstadt aus der sie stammt ist ihre Intelligenz auffällig wie “ein lahmes Bein oder ein zusätzlicher Daumen”; ihre Eltern sind für diese Kreise schon erstaunlich unkonventionell, und sie, Juliet, hat die Chance, zu studieren und es noch weiter zu bringen. Aber gleichzeitig ist tief in ihr auch die Sehnsucht danach, einfach nur “Frau” zu sein; sie hatte einst einen Mann kennengelernt, der aber noch in einer Beziehung lebte. Jetzt, nach so langer Zeit, hat er ihr geschrieben. Weiterlesen