Chimamanda Ngozi Adichie – Americanah. Vom Reiz des Fremden

americanahVon diesem Buch hat man in der letzten Zeit sehr viel gehört, es wird einem von vielen Seiten empfohlen oder gar ganz nachdrücklich ans Herz gelegt. Eines kann ich an dieser Stelle gleich verraten: meine Empfehlung fällt nicht ganz so eindeutig aus.

Worum geht es? In aller Kürze: Ifemelu und Obinze kennen sich während ihrer Sekundarschulzeit in Lagos kennen und beliebten sich ineinander. Während Obinze mit aller Kraft den Traum nachhängt, eines Tages in die USA zu gehen, ist Ifemelu indifferenter. Doch die Chance, dann tatsächlich zu gehen, bitte sich ihr und nicht ihm.

Amerika erweist sich aber gerade zu Beginn hat nicht als das so gelobte Land, auf das sie so aufgeblickt hatten. Sie hat keinen Job, keine Arbeitserlaubnis, macht einige sehr unangenehme Erfahrungen. Aber vor allem, und das wird ihr erst so richtig klar, als ihre Umstände sich verbessern, wird sie hier erstmals so richtig damit konfrontiert, das sie schwarz ist.

Die Beziehung zu einem reichen weißen Mann ebnet ihr viele Wege, doch als die Liebesgeschichte ein Ende findet, beginnt die einen Blog über die Diskriminierung von Schwarzen in den USA zu schreiben und ist damit rasch sehr erfolgreich.

In der Zwischenzeit versucht Obinze in England sein Glück, da er kein Visa für die USA erhält, doch noch bevor er eine Scheinehe eingehen kann, um die nötigen Papiere zu erhalten, wird er abgeschoben. Zurück in Lagos trifft er auf einen einflussreichen Mann, mit dessen Hilfe er den Aufstieg schafft und sehr reich wird.

Ifemelu beschließt, nach Nigeria zurück zu kommen. Und der lange unterbrochene Kontakt zwischen den Beiden flammt wieder auf… Weiterlesen

Teju Cole – Open City

leserunde_coleMittlerweile ist es schon wieder ein paar Tage her, seit unsere Leserunde sich getroffen hat, um über Teju Cole – Open City zu sprechen.

Es gab ein paar Absagen, die vermutlich auch darin begründet lagen, dass das Buch nicht oder nur unvollständig gelesen wurde – von den Anwesenden gab es nur einen, der nach 150 Seiten der Langeweile entnervt aufgegeben hatte.

Insgesamt kam das Buch aber ganz gut weg. Wir haben uns lange über die Distanz unterhalten, die der Autor / Ich-Erzähler in diesem Buch sowohl in uns Lesern erzeugt hat (keiner ist ihm nahe gekommen), als auch darüber, wie distanziert er allem, was ihn betrifft, auch selbst gegenübersteht.

Als Roman empfand ihn eigentlich niemand als so richtig gelungen. Dazu fehlte ein innerer Faden, eine Entwicklung, ein wenig Anteilnahme. Aber im Laufe des Gesprächs kamen wir darauf zu sprechen, dass Cole seinen Roman wie eine Fuge angelegt hat – das Thema der Vögel, die an der Freiheitsstatue sterben, nimmt er am Ende wieder auf, dazwischen werden viele einzelne Motive in den Text einfach hineingewoben. Weiterlesen

Teju Cole – Open City. Leserundenlektüre, mittendrin

coleIch bin ein wenig ratlos. Ich habe mittlerweile etwa die Hälfte des hoch gelobten Romans von Teju Cole gelesen und bin mir unschlüssig, wie ich meine eigenen Leseeindrücke dazu einordnen soll.

Es ist ein Roman, der mir sehr fern bleibt. Und das liegt nicht unbedingt an den Themen, die er anschneidet. Ich mag New York, lese gerne darüber, bin auch an Geschichten über das Leben nach 9/11 interessiert. Psychologie – ebenfalls eines der Themen, die mich reizen. Stadtspaziergänge, etwas entdecken, flanieren… ja, doch, das mag ich. Eigentlich.

Und ich mag es auch an Cole, es sind viele kleine Episoden, die mich durchaus interessieren und die mir auch sprachlich gefallen. Aber immer dann, wenn ich gerade dabei bin, mich für eines seiner Themen zu erwärmen, ist es schon wieder vorbei, und er geht weiter zum nächsten. Weiterlesen

Christian Kracht – Imperium. Lese- und Lesegruppeneindrücke

2014-05-15 21.00.10Berge an Chips und Rotwein waren nötig, um über dieses Buch von Christian Kracht zu streiten, das auch in unserem kleinen Kreis einen erregten Austausch hervorrief.

Worum es bei Kracht geht, ist ja hinreichend bekannt. Ein junger Mann, den es tatsächlich gab, namens August Engelhardt, sucht sein Heil in der Kokosnuss. Da gleich zu Beginn eine Anspielung auf “einen anderen Vegetarier, der besser bei seinen künstlerischen Ambitionen geblieben wäre” gemacht wurde, gab es einen schönen Aufhänger, um Kracht in die rechte Ecke zu stellen (Link zum Spiegel-Artikel). Weiterlesen

Berliner Donnerleser über “Bankster”

banksterUnser gestriges Treffen zum Buch von Gudmundur Oskarsson “Bankster” wurde nur von einer kleinen Viererrunde wahrgenommen. Das Buch hatte ich vorgeschlagen, weil es eines der wenigen Bücher in diesem Jahr war, das mich wirklich angerührt hatte – obwohl es auch für mich einige Punkte zu kritisieren gab. Weiterlesen

Die Montagsleser über Reinhard Kaiser-Mühlecker: Roter Flieder

Ich hatte es ja irgendwie schon geahnt – die ganz große Begeisterung für dieses Buch kann man vielleicht nur nachvollziehen, wenn man den geschilderten Umständen so nahe ist, wie es auf mich zutrifft. Weiterlesen

Reinhard Kaiser-Mühlecker – Roter Flieder

40423_1_kaiser-muehlecker_bb_web1Manchmal schrecke ich völlig zu Unrecht vor dicken Büchern zurück. Dieses hier habe ich schon kurz nach Erscheinen gekauft – weil mir “Magdalenaberg” sehr gut gefallen hatte und ich den Autor weiter verfolgen möchte. Nur gelesen habe ich es lange nicht – bis es nun zum Glück von meinem Lesekreis gewählt wurde. Trotzdem habe ich beinahe widerwillig zu lesen begonnen; schließlich ist gerade Buchpreiszeit, und ich bin im Longlist-Fieber. Weiterlesen