Klaas Huizing – Bruderland

huiVor vielen Jahren las ich das Buch Ruth über eine Zeit, die mir sehr fremd ist und auch weiterhin blieb – aber die Lektüre habe ich als eine der wenigen zu diesem Thema in Erinnerung behalten. Ein paar Jahre darauf folgte “Frau Jette Herz” – ein wirklich toller Roman über die Zeit der großen Berliner Salons. Der Name Huizing hat für mich also einen guten Klang.

Und jetzt? Habe ich das Buch “Bruderland” eigentlich nur bis zum Ende gelesen, weil ich wissen wollte, welchen Tod dieser Moritz denn nun gestorben ist und welchen Anteil Henk daran hat. Man erfährt es wirklich erst auf der letzten Seite, sonst hätte ich vorher abgebrochen.

Denn obwohl auch in diesem Buch zwischendurch schöne, dichte Beschreibungen einer alles andere als heilen Familie enthalten sind, hat mich die Umsetzung der Jetzt-Zeit mit den ganzen Auswirkungen auf Henk, der so bindungsscheu ist und eine Frau nach der anderen wieder von sich weg treibt, so gar nicht überzeugt.

Weiterlesen

Klaas Huizing – Frau Jette Herz

jette

Und hier noch ein drittes mal aus dem Archiv, eine echte Leseempfehlung!

Der Begriff “Salon” ist untrennbar mit ihr verbunden – mit Henriette Herz, die in Berlin Ende des 18. Jahrhunderts 20 Jahre lang einen Kreis von angesehenen Literaten, Philosophen und Theologen um sich scharte.
Der Roman setzt mit dem ersten Besuch des Theologen Schleiermachers in diesem Salon ein; bald schon geht er beinahe täglich bei der Herz aus und ein, eine tiefe Freundschaft verbindet die beiden optisch sehr ungleichen Menschen; sie, eine große, üppige Schönheit, und er dagegen klein, etwas verwachsen, schmächtig – ein gefundenes Fressen für die Karrikaturisten, die sich diese Gelegenheit zum Spotten nicht entgehen lassen.

Doch das wird – zumindest im Buch – erst etwas später wirklich wichtig. Erst muss sich diese Freunschaft ja entwickeln; dass sie anders als platonisch sein könnte, kommt für Jette anfangs auch gar nicht in Frage. Schließlich ist sie verheiratet, wenn auch in einen sehr viel älteren, nüchternen Mann. Und Schleiermacher? Nun, der verliebt sich erstmal in eine verheiratete Frau.

Als Marcus Herz recht plötzlich stirbt, muss Jette Herz ihre Ausgaben so weit einschränken, dass ihr ein Fortführen des Salons nicht mehr möglich ist. Die Freundschaften allerdings bleiben bestehen; vor allem natürlich zu Schleiermacher, der zwischenzeitlich aus Berlin versetzt wurde. Als dann auch die Beziehung zu Schleiers Pastorsgattin abgebrochen werden, wagt Jette einen Vorstoß; wäre sie schließlich nicht die ideale Partnerin für ihren Schleier? Doch dieser lehnt ab; und trotz aller unerfüllten Sehnsüchte bleibt der Freundschaftsbund bestehen.

Soweit ganz kurz, sachlich und wahrscheinlich auch nicht sonderlich verlockend zum Inhalt. DIe ersten 50 Seiten empfand ich denn auch als zwar zeitgeschichtlich interessant, insgesamt aber doch eher wenig fesselnd. Doch je mehr dichterische Freiheit der Autor sich dann erlaubt, je mehr er sich auch versucht in die Gefühlswelt dieser hochgebildeten Frau zu versetzen, umso faszinierender empfand ich es. Jette, die als große Schönheit galt, leidet sehr darunter, dass sie kein körperliches Verlangen in den sie umgebenden Männern hervorzurufen versteht. Im heutigen Sprachgebrauch ist sie der Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann, hat immer ein offenes Ohr, ist gleichzeitig auch Muse und intellektuelle Ansprechpartnerin.

Weiterlesen

Klaas Huizing – Der letzte Dandy

dandy

Aus dem Archiv:

Die Vorstellung “was passiert nach dem Tod” beschäftigt die Menschen seit jeher. Bei Klaas Huizing ist der Himmel irgendein Ort am Meer, kein Sandstrand unter Palmen, sondern eher Ostsee, und die Eitelkeiten der Irdischen bleiben nach wie vor erhalten.

Daher sind die beiden Herren, die man hier bei einem Strandspaziergang begleiten kann, unschwer als Thomas Mann und Sören Kierkegaard zu identifizieren. Nach gegenseitigen Schmeicheleien – die allerdings für Herrn Mann nicht immer ganz so ausfallen, wie er sie gerne hören würde – ergibt sich aus dem Gespräch, dass Kierkegaard gerne eine Autobiographie verfassen würde und sich dabei gerne von Thomas Mann zur Seite stehen lässt. 
Weiterlesen

Klaas Huizing – Das Buch Ruth

ruthDie erste gemeinsame Aktion war ein Liederabend, um gegen die Verwendung von Weihnachtsbäumen zu protestieren. Und eigentlich hätte Ruth schon hier merken können, dass bei Georg gegen etwas protestieren noch lange nicht hieß, auch selber danach zu leben; denn bei seinen Eltern prangt natürlich stolz eine große Tanne. Es wäre nur seiner Mutter wegen, erklärt er ihr.

Und wie auch in den vielen Jahren, die noch folgen sollten, lässt Ruth sich von Georgs Argumenten einwickeln. Verzeiht ihm. Verzeiht ihm auch, dass er sie dann, als sie zu studieren beginnen, verlässt, um “andere” Erfahrungen zu sammeln. Verzeiht ihm, dass bei all den Aktionen, mit denen sie sich gemeinsam in der Friedensbewegung engagieren, immer er die Lorbeeren einheimst, während sie mit dem Großteil der Arbeit belastet wird.
Weiterlesen