Elizabeth Gaskell – Lizzie Leigh

lizzieDiese Erzählung beginnt am Sterbebett des Familienoberhaupts. Ich vergebe ihr – damit verabschiedet er sich. Es war der größte Wunsch seiner Frau, dies noch von ihm zu hören. Nun, da die sich mit noch den Kindern verpflichtet fühlt, kann die Mutter endlich tun, was ihr schon lange am Herzen liegt: nach ihrer Tochter Lizzie suchen, eben jener, der nun endlich vergeben wurde. Man ahnt es schon, was es ist, was die so sehr in Ungnade hat fallen lassen: sie hat ein Kind bekommen.

Wie nun dieses Kind ins Spiel kommt, eine weitere Liebesgeschichte sich entwickelt, großer Kummer über die Familie kommt und am Ende doch so etwas wie Friede und Glück auf die Beteiligten wartet, liest sich auf gewohnt etwas umständlich, im schönsten Sonne altmodische Weise.

Elizabeth Gaskell – Half a Life-Time Ago (Vor einem halben Leben)

lifetimeIch hatte es ja schon einige Male erwähnt – ich lese mich gerade ganz langsam durch die Erzählungen von Elizabeth Gaskell. Da von dieser Autorin nur sehr wenig auf Deutsch erschienen ist, nutze ich das Angebot der Gratis-Klassiker. Neben den anrührenden Geschichten fängt sie mich auch immer wieder ein mit ihrer Sprache.

Diese Erzählung hier, die knapp 90 Seiten umfasst, beginnt mit der Schilderung eines höchst malerischen kleinen Hauses, das so einladend auf alle wirkt, die daran vorbeigehen und seine Geschichte nicht kennen. Doch wer näher kommt, etwas Gastfreundschaft genießen möchte, sieht sich bald der Hausherrin, Susan Dixon gegenüber, einer geizigen, kalten, alten Frau. (Achtung, Fortsetzung enthält Spoiler). Weiterlesen

Elizabeth Gaskell – Mr Harrisons Bekenntnisse

gaskellAus gegebenem Anlass (ich lese mich gerade kreuz und quer durch die Klassiker, im Moment vor allem Gaskell) grabe ich hier erstmal eine alte Kritik wieder aus, um euch die Autorin und ihre Erzählungen ein wenig schmackhaft zu machen:

Elizabeth Gaskell war, wie mir das Nachwort im schönen Manesse-Band verriet, eine Zeitgenossin von Jane Austen, Charlotte Bronte und Charles Dickens. Für Dicken´s Wochenzeitschrift hat sie auch Erzählungen geschrieben.

Und an Jane Austen, speziell ihren Roman “Emma”, erinnerte mich auch vor allem die dritte und titelgebende Erzählung in diesem Band, “Mr. Harrisons Bekenntnisse”. Mr. Harrison ist ein junger Arzt, der sich in einem kleinen Städtchen in Nordengland niederlässt. Er soll dort in die Praxis des schon etablierten, älteren Landarztes eintreten. Schon vom ersten Tag an merkt er, dass die Uhren hier auf dem Land deutlich anders ticken als in der Metropole, in der er studierte. Alles, was Rang und Namen hat, hinterlässt schon am ersten Abend besorgte Fragen nach seinem Wohlbefinden nach dieser langen Reise. Und Mr. Morgan, sein Mentor, belehrt ihn am nächsten Morgen immer wieder darüber, wie er hier im Städtchen aufzutreten habe, angefangen von der Garderobe bis hin zu den Höflichkeiten, die Harrison erst übertrieben erscheinen.

Und gerade die Tatsache, dass er es höflich allen recht machen will führt dazu, dass er sich nach einigen Wochen gleich mit drei Frauen mehr oder weniger verlobt findet; ohne allerdings selbst dazu etwas beigetragen zu haben, und vor allem auch, ohne auch nur die geringste Neigung zu einer der ausgewählten Damen zu verspüren. Weiterlesen