Thomas Hettche – Pfaueninsel

PfaueninselSie liegt wie ein Relikt aus vergangener Zeit im Wannsee – die Pfaueninsel. Erst war sie vor allem ein Liebesnest, doch dann gab es eine durchaus wechselvolle Geschichte der Nutzung. Von der landwirtschaftlichen Bereitstellung von Obst und Gemüse das ganze Jahr über hin zum Vorläufer des Berliner Zoologischen Gartens mit der Menagerie und der Sammlung von Menschen, die aus der Norm fallen und ebenfalls dort mehr oder weniger ausgestellt wurden.

Hettche erzählt hier das fiktive Schicksal des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Maria Dorothea Strakon. Dieses Schlossfräulein hat tatsächlich auf der Pfaueninsel gelebt – aber außer, dass sie 80 Jahre alt wurde, ist kaum etwas über sie bekannt.

Das Schicksal, das Hettche ihr hier andichtet, ist also fiktiv. Und da kommen wir schon zum Hauptgrund meines Unbehagens.

Es ist bei Romanen, die in der Vergangenheit spielen und historische Persönlichkeiten mit einbinden klar, dass nicht alles, was hier erzählt wird, der Realität entspricht. Hier tauchen naturgemäß sehr viele Personen auf, die wir alle aus der Geschichte kennen; im großen und ganzen wurde auch, soweit ich das beurteilen kann, darauf geachtet, dass die Fiktion nicht zu weit von der Realität abwich.

Aber hier wird ein ganzes Leben mit ganz schön grotesken Verwicklungen erfunden für einen Menschen, den es tatsächlich gab. Und das hat mich beim Lesen durchaus gestört.

Ich habe sehr gerne über die Pfaueninsel und ihre Gestaltung gelesen, über die unterschiedliche Nutzung und all das, was das auch über die entsprechende Zeit verrät. Als Rückblick auf die Zeitgeschichte hat mir diese leicht distanzierte Betrachtungsweise – auf der Insel erlebt man die Zeitenwechsel nur am Rande, man ist nicht mittendrin, das war wunderschön gelöst – ausgezeichnet gefallen.

Aber mit der eigentlichen Handlung, der Geschichte des Schlossfräuleins, mochte ich mich so gar nicht anfreunden. Ich kam beim Lesen nie an den Punkt, dass ich das Gelesene als ihre Geschichte widerspruchslos hingenommen hätte, stets war da der Gedanke im Hinterkopf, dass ich sehr viel davon – vor allem die überreichlichen Sexszenen – einfach als übertrieben und ins Groteske gesteigert empfand.

Daher bleibt bei mir ein ambivalentes Gefühl zurück – und natürlich der Wunsch, doch im nächsten Sommer mal wieder zur Pfaueninsel rauszufahren.

Julian Barnes – Arthur und George

barnesarthurJulian Barnes, der große britische Autor, hat sich in diesem Roman eine reale historische Begegenheit als Grundlage genommen. Weiterlesen