Michael Köhlmeier – Zwei Herren am Strand

Köhlmeier Zwei Herren am StrandEigentlich hatte ich erwartet, dass ich mit diesem Buch gar nichts falsch machen kann. Ein Autor, den ich seit vielen Jahren sehr schätze und mag. Ein Thema, das ich kenne und das mich fasziniert (Depressionen und ihr Umgang damit). Ein bisschen Zeitgeschichte. Dazu zwei bekannte Persönlichkeiten, die ich zumindest bislang in keinen Zusammenhang zueinander gebracht hätte – Charlie Chaplin und Sir Winston Churchill.

Zu meinem großen Bedauern empfand ich die Leküre aber nicht als Vergnügen, sondern zähe Arbeit. Weiterlesen

Gaito Gasdanow – Das Phantom des Alexander Wolf (Prizrak Aleksandra Volfa)

gasdanowEigentlich ziehe ich es ja vor, ein Lesegruppenbuch hier schon vorzustellen, bevor wir unser Treffen abhalten. Aber das habe ich zeitlich nicht geschafft – und unser sehr schönes Treffen am Montag hat durchaus dazu beigetragen, meine Meinung zu diesem Buch ein wenig zu verändern.

Aber nun von vorne – worum geht es?

Der Einstieg in diesen Roman ist grandios. Ein 16jähriger erschießt in den Wirren des Bürgerkrieges einen Mann. Das Ereignis prägt ihn; obwohl die Tat als Notwehr gelten konnte, blieb der Anblick der verlöschenden Augen im Gesicht des Mannes für ihn immer präsent. Weiterlesen

Eberhard Rathgeb – Kein Paar wie wir

rathgebNein, ein alltägliches Paar sind sie nicht, die beiden Schwestern Ruth und Vika. Keine Männer, keine Kinder, keine Liebschaften – nur zwei Frauen, die ihr ganzes Leben miteinander geteilt haben. In Deutschland geboren, sind sie in den Dreißiger Jahren mit den Eltern nach Buenos Aires ausgewandert. Während der Vater dort erfolgreich war, verkümmerte die Mutter, versank in ihren Depressionen. Die Töchter werden streng gehalten, haben kaum Freiheiten – und doch gelingt ihnen der Absprung.

Ruth ist die Erste, sie macht sich auf nach New York, Vika kommt zwei Jahre später nach. Ihre Sprachkenntnisse kommen den Schwestern zu Gute, sie sind beruflich erfolgreich, sie werden durchaus auch umworben, doch kein Mann kann das verheißen, was sie sich gegenseitig sind.

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Philip Roth – Jedermann (Everyman)

rothjedermann“Das Alter ist kein Kampf, das Alter ist ein Massaker” lässt Philip Roth seinen “Jedermann” mitten im Buch sagen, als er sich schon diversen Operationen unterzogen hatte, deren jede detailliert geschildert wird, angefangen von einer Leistenbruchoperation im Kindesalter bis hin zu diversen Herzoperationen.

Der Roman beginnt mit dem Begräbnis dieses Jedermanns; seine drei Kinder sind da, die zwei Söhne aus 1. Ehe, die Tochter aus 2. Ehe, gemeinsam mit seiner 2. Ehefrau; sein Bruder ist da, und auch die Krankenschwester, mit der er nach seiner ersten Herzoperation eine wunderbare Affäre hatte. Weiterlesen

Lars Gustafsson – Der Mann auf dem blauen Fahrrad (Mannen pa den bla cykeln)

gustafssonEs ist kalt, der wind bläst, die Felder und Wiesen grünen nicht mehr üppig, sondern sind grau und braun. So ist auch die Stimmung des Mannes, der da auf seinem blauen Fahrrad unterwegs ist. Auf dem Gepäckträger befördert er eine schwere Last.

Dieser Mann ist Jan Friberg, Handelsvertreter für Küchenmaschinen von Elektrolux, und er ist unterwegs zu einem Herrensitz, an dem er hofft nach seinem verkorksten Tag endlich eine Maschine verkaufen zu können.

Doch es kommt anders. Weiterlesen

Thomas Glavinic – Das größere Wunder

glavinicWas mir bei diesem Buch als erstes ins Auge gestochen ist? Das Cover. Wunderbare Berglandschaft, darüber eine rätselhafte Mondfolge, die wie ein Lichtsignal an eine größere Macht erscheint. Farblich ebenfalls toll umgesetzt, kurzum: ein echter Hingucker. Auch wenn man, so wie ich, nicht unbedingt als Bergfan zu bezeichnen ist.
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Norbert Gstrein – Eine Ahnung vom Anfang

Gstrein - Eine Ahnung..Es gab eine Bombendrohung in der kleinen Stadt, irgendwo in Österreich, in Tirol. Auf dem Fahndungsfoto meint Anton, Lehrer in dieser Kleinstadt, seinen ehemaligen Schüler Daniel zu erkennen. Daniel. Einer der intelligentesten Schüler, die er jemals hatte, zweifellos der, zu dem er das engste Verhältnis aufgebaut hatte, auch wenn er nicht hätte sagen können, warum nun eigentlich. Weiterlesen

Arno Geiger – Es geht uns gut

geiger“… und plötzlich war Hitler länger her als Franz Joseph, das hat den fünfziger Jahren den Weg geebnet, das hat Österreich zu dem gemacht, was es ist, …”

Ziemlich am Ende des Romans lässt der Autor hier Alma so mit ihrem Mann Richard sprechen, der sie zu dem Zeitpunkt aber schon nicht mehr wirklich versteht, denn der ehemalige Minister ist schon seit einigen Jahren dement. Weiterlesen