Jean-Philippe Blondel – 6 Uhr 41 (06h41)

blondel2Zwei Menschen begegnen sich im Zug. Es ist nicht ihre erste Begegnung – sie kannten einander schon früher, in ihrer Jugend, ja, sie waren sogar einmal fast so etwas wie ein Paar. Bis zu diesem Ausflug nach London…

Und nun sitzen sie nebeneinander, haben noch nicht zu erkennen gegeben, dass sie sich sofort erkannt haben. Jeder hängt für sich seinen Gedanken nach, und ich als Leserin musste mir dann jeweils in erster Person Präsens durchlesen, was für Banalitäten an Gedanken da durch ihr Gehirn waberten.

Die eigentliche Spannung, die der Handlungsaufbau hätte bieten können, wurde durch diese ausgesprochen simple Sprache und den Mangel an psychologischem Feingefühl für mich leider kaputtgemacht. Schade!

Patrick Modiano – Der Horizont (L´Horizon)

Modiano_23951_MR.inddNach dem “Cafe der verlorenen Jugend” noch eine “letzte Chance”, die der diesjährige Literaturnobelpreisträger von mir erhielt. Und in gewisser Weise hat mich dieses Buch auch wieder mit ihm versöhnt.

Im Mittelpunkt steht hier eine junge Frau; der Erzähler hatte sie eines Tages zufällig auf der Straße kennen (und später lieben) gelernt; sie ist geprägt von Angst, Angst vor einem Mann, dessen Auftauchen sie immer und an jeder Stelle befürchtet.

Es dauert lange, bis man erfährt, wer dieser Mann überhaupt ist, woher sie ihn kennt und was bisher geschah; bis dahin ist es die Geschichte einer Frau, die immer wieder alle Zelte hinter sich abbricht und komplett neu anfängt.

Zuletzt tut sie das in Berlin… ausführlich wird hier beschrieben, welchen Weg der Erzähler vom Prenzlauer Berg nach Kreuzberg unternimmt, wo sie eine Buchhandlung betreibt. Doch gerade, weil hier einerseits so akkurat beschreiben wird, dass sogar die Postleitzahl und die Anfangsziffern der Telefonnummer passen, ist die Verwechslung der beiden Stadtbezirke mir darum umso negativer aufgefallen.

Auch wenn ich dieses schmale Büchlein deutlich lieber gelesen habe als meinen letzten Modiano-Versuch: eines ist jetzt noch deutlicher als vorher. Der Autor liegt mir einfach nicht.

Patrick Modiano – Im Café der verlorenen Jugend (Dans le café de la jeunesse perdue)

modianoEs gab nur wenige Passagen in diesem (ohnehin recht dünnen) Bändchen des aktuellen Literaturnobelpreisträgers, bei denen ich das Gefühl hatte, nicht nur irgendwelche mehr oder weniger zusammenhängende Worte zu lesen, ohne daraus wirklich etwas entnehmen zu können.

Es geht um eine junge Frau, die aus verschiedenen Perspektiven geschildert wird; getroffen hat man sich in einem Cafe, sie war Stammgast, jeder kannte sie – und doch auch wieder nicht.

Der kurze Teil, in dem ihre Kindheit und Jugend am Montparnasse erzählt wird haben mich dabei noch am ehesten interessiert.

Ich weiß nicht, woran es lag – dass ich diese Zeit nicht miterlebt habe, dass ich Paris so gut wie gar nicht kenne, dass mir diese Art des Lebens so völlig fremd ist – jedenfalls fand ich von Anfang an keinen Zugang. Ein gewisses Unverständnis bleibt mir daher auch, wofür konkret der Literaturnobelpreis bei diesem Autor denn nun verliehen wurde – aber dieses Rätsel werden wir wohl ohnehin nie lösen können. Da wäre mir ja beinahe noch Murakami als Preisträger lieber gewesen…

Patrick Modiano – Ein so junger Hund (Chien de printemps)

hundAus gegebenem Anlass mal wieder ein Fundstückchen aus dem Archiv:
2014 wird Patrick Modiano mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Vor 10 Jahren habe ich erstmals ein Buch von ihm gelesen – das mich nicht überzeugt hatte. Ich werde es nochmal mit dem Autor versuchen, mein Lesegeschmack hat sich schließlich geändert…

Was aus der Freundin geworden war, mit der er da auf einer Parkbank fotografiert worden war, konnte der Erzähler dieser Geschichte nicht sagen; irgendwann aus seinem Leben verschwunden, so wie auch Jansen, der das Bild vor fast 30 Jahren aufgenommen hatte.

Aber Jansen hatte in seinem Leben viel stärkere Spuren hinterlassen; nach den Aufnahmen hatten sie ihn in sein Atelier begleitet, hatten die drei Koffer gesehen, in denen er seine Bilder aufbewahrte, kunterbunt und ungeordnet. Für Jansen war die Zeit gekommen, das alles hinter sich zu lassen, er wollte die Spuren tilgen, wollte einfach weggehen, aufbrechen – doch einst hatte auch er versucht, die flüchtigen Momente festzuhalten, hatte nicht nur auf den Auslöser gedrückt, sondern gewissenhaft Namen und Orte auf die Rückseite der Bilder geschrieben.

Aus einem Impuls heraus bietet der Junge an, ein Register der Bilder zu erstellen; unbezahlt, aus Interesse. So arbeitet er sich durch die Jahre, die Lebensstationen des Fotografen, der mit Auskünften über sich selbst so sparsam bleibt – vor allem, wenn es um Colette geht, Colette, die auch der Erzähler einst kannte… Weiterlesen

Jean-Philippe Blondel – Zweiundzwanzig (Et rester vivant)

blondelIch zermartere mir seit Tagen den Kopf, in welcher Literatursendung ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. Es war jedenfalls etwas, das ich nur so nebenbei gesehen hatte – ein Mann erzählte davon, dass er im Alter von zweiundzwanzig Vollwaise war, weil er erst seine Mutter und den Bruder, dann vier Jahre später seinen Vater durch einen Autounfall verloren hatte. Mir war in Erinnerung geblieben, dass er von sich wie von einem Romanhelden sprach – und dass man einer Romanfigur solche Schicksalsschläge nicht zumuten würde, weil es keiner glauben würde.

Nun fand ich das Buch zufällig in der Onleihe, habe es kurzentschlossen ausgeliehen und auch gleich gelesen (ist ja nicht besonders umfangreich).

Zu diesem Buch gibt es auch einen Soundtrack, der eine nicht unerhebliche Rolle spielt:
Lloyd Cole – Rich https://www.youtube.com/watch?v=xEmlVhEnIpc

Der Ort, der in diesem Song besungen wird, Morro Bay, wird zum Sehnsuchtsort des Erzählers, und nachdem er die väterliche Wohnung verkauft hat, geht er kurzerhand mit seiner (Ex?)Freundin und dem besten Freund (und neuen Freund von Laure) auf eine Reise nach Kalifornien. Weiterlesen

Luc Bannalec – Bretonische Brandung. Kommissar Dupins zweiter Fall

bannalecDrei Leichen sind am Strand einer kleinen Inselkette gefunden worden, und Kommissar Dupin muss schon vor dem dritten Kaffee (oh, sorry – hier im Buch hießt der natürlich “Café”) zur Arbeit aufbrechen, noch dazu in einem Boot  und es gibt wenig, was er noch mehr hasst als Boote.

Dann steht er mit seinen Männern erstmal da, am Strand. Betrachtet die Leichen, lässt seine Männer Ermittlungsarbeit machen. Was er derweilen macht? Natürlich – erstmal mit seiner unersetzlichen Assistentin Nolwen telefonieren, die wie immer sämtliche regionalen Eigenheiten, die für die Ermittlung vielleicht relevant werden könnten, beisteuert. Und Dupin außerdem den Präfekten vom Leib hält, denn – wie sollte es auch anders sein! – dieser hat ein dringliches Interesse daran, den Fall so rasch als möglich zu klären. Und will informiert werden. Immer. Und sofort.

Aber was macht Dupin? Der geht erstmal essen. Schließlich gibt es hier auf der Insel den besten Hummer, den man sich überhaupt nur vorstellen kann Weiterlesen

Martin Walker – Femme Fatale. Der fünfte Fall für Bruno, Chef de Police

walkerfemmeAuch im fünften Fall von Bruno, Chef de Police, spielt die jüngere Zeitgeschichte des Perigord eine Rolle. Diesmal wird eine Frauenleiche auf einem Boot angetrieben – offensichtlich Opfer eines heidnischen Rituals. Die Spuren führen in alte Felshöhlen, die Resistance spielt natürlich wieder eine Rolle, und gekocht wird außerdem gut und reichlich. Weiterlesen