Elizabeth Gaskell – Lizzie Leigh

lizzieDiese Erzählung beginnt am Sterbebett des Familienoberhaupts. Ich vergebe ihr – damit verabschiedet er sich. Es war der größte Wunsch seiner Frau, dies noch von ihm zu hören. Nun, da die sich mit noch den Kindern verpflichtet fühlt, kann die Mutter endlich tun, was ihr schon lange am Herzen liegt: nach ihrer Tochter Lizzie suchen, eben jener, der nun endlich vergeben wurde. Man ahnt es schon, was es ist, was die so sehr in Ungnade hat fallen lassen: sie hat ein Kind bekommen.

Wie nun dieses Kind ins Spiel kommt, eine weitere Liebesgeschichte sich entwickelt, großer Kummer über die Familie kommt und am Ende doch so etwas wie Friede und Glück auf die Beteiligten wartet, liest sich auf gewohnt etwas umständlich, im schönsten Sonne altmodische Weise.

Elizabeth Gaskell – Half a Life-Time Ago (Vor einem halben Leben)

lifetimeIch hatte es ja schon einige Male erwähnt – ich lese mich gerade ganz langsam durch die Erzählungen von Elizabeth Gaskell. Da von dieser Autorin nur sehr wenig auf Deutsch erschienen ist, nutze ich das Angebot der Gratis-Klassiker. Neben den anrührenden Geschichten fängt sie mich auch immer wieder ein mit ihrer Sprache.

Diese Erzählung hier, die knapp 90 Seiten umfasst, beginnt mit der Schilderung eines höchst malerischen kleinen Hauses, das so einladend auf alle wirkt, die daran vorbeigehen und seine Geschichte nicht kennen. Doch wer näher kommt, etwas Gastfreundschaft genießen möchte, sieht sich bald der Hausherrin, Susan Dixon gegenüber, einer geizigen, kalten, alten Frau. (Achtung, Fortsetzung enthält Spoiler). Weiterlesen

Frühlingsgrüße aus dem (Lese)Winterschlaf!

FruehlingLiebe Leselust-BesucherInnen,

schön, wenn trotz der langen Zeit, in der ich mich jetzt nicht gemeldet habe, immer noch jemand von euch hier mitliest! Herzlichen Dank dafür! Dann will ich doch mal wieder ein wenig erzählen, was in meinem (Lese)Leben gerade so vor sich geht.

Um es kurz zu machen: ich kann mich immer noch nicht so recht auf Bücher einlassen, mit denen ich auch eine gewisse Erwartungshaltung verbinde.

Und daher habe ich nun wieder angefangen, Klassiker zu lesen. Wie meine liebe Freundin Claudia einmal sagte: Jane Austen geht immer. So ist es. Nur: irgendwann hat man auch alle Bücher von Jane Austen zum wiederholten Mal durch. Auf der Suche nach weiterem Stoff bin ich wieder bei Elizabeth Gaskell gelandet, von der ich vor einigen Jahren “Mr. Harrissons Bekenntnisse” gelesen hatte. Das macht mir wieder Spaß, auch wenn die Geschichten (ich bin derzeit bei den Erzählungen, die ja bei ihr auch eine ganz ordentliche Länge haben) schon oft recht einfach gestrickt und durchschaubar sind. Nur leider ist nicht viel davon auf Deutsch erhältlich… und es könnte sein, dass ich mich über diesen Umstand an dieser Stelle zu einem anderen Zeitpunkt nochmal äußern werde.

Und außerdem stöbere ich mich auch in großem Ausmaß durch die Bücher von Autoren, die nicht von einem Verlag veröffentlicht werden, also die Selfpublisher. Es ist ja recht praktisch, dass es da bei den englischen Titeln immer wieder die Einführungspreise von € 0,- gibt, da probiert man schon mal ein paar Sachen aus, zu denen man sonst vielleicht gar nicht gegriffen hätte.

Davon haben mir jetzt aktuell “The Game” von Terry Schott und “Hushabye” von Celia Grace ganz gut gefallen, beides erste Bücher in einer Reihe, die ich vermutlich fortsetzen werde.

schottgame“The Game” ist eine Art SciFi, eine Mischung aus “Matrix”, “Panem” und so weiter, bei der die Erde, wie wir sie kennen, nur eine Computersimulation ist. Die Kinder und Jugendlichen eines anderen Planeten besuchen keine Schulen, sondern werden hier eingeloggt und durchleben Erdenleben, und je nachdem, wie gut sie das machen, steigen sie im Ranking. Daraus ergeben sich dann ganz logische Antworten zu manchen Aspekten; klar, Seelenwanderung ist eine davon, aber es wird auch das Geheimnis der Selbstgespräche gelüftet. Wer mal was anderes lesen möchte – das Buch gibt es derzeit noch kostenlos als Ebook.

hushabyeDie Krimireihe, die mir Spaß gemacht hat, handelt von der jungen Ermittlerein Kate Redman, die gleich bei ihrem ersten Job an der neuen Dienststelle mit einer alten Wunde in ihrem eigenen Leben konfrontiert wird.
Der Krimi ist mit etwa 150 Seiten relativ kurz, aber dafür wird man auch nicht mit blutigen Details gefoltert, sondern darf sehr geradeheraus den Ermittlungen eines sympathischen Ermittlergespanns folgen. Die Geschichte ist in sich stimmig, die Charaktere haben mich interessiert – da können so manche “gedruckten” Bücher nicht ganz das Wasser reichen. Auch dieser Titel ist gerade kostenlos

Ich hoffe, dass mich die richtige Leselust bald wieder umtreibt – aber bis dahin hoffe ich, dass ihr auch Spaß habt an so kleinen Plauereien zwischendurch. Ich freue mich schon, wieder von euch zu lesen!

Elizabeth Gaskell – Mr Harrisons Bekenntnisse

gaskellAus gegebenem Anlass (ich lese mich gerade kreuz und quer durch die Klassiker, im Moment vor allem Gaskell) grabe ich hier erstmal eine alte Kritik wieder aus, um euch die Autorin und ihre Erzählungen ein wenig schmackhaft zu machen:

Elizabeth Gaskell war, wie mir das Nachwort im schönen Manesse-Band verriet, eine Zeitgenossin von Jane Austen, Charlotte Bronte und Charles Dickens. Für Dicken´s Wochenzeitschrift hat sie auch Erzählungen geschrieben.

Und an Jane Austen, speziell ihren Roman “Emma”, erinnerte mich auch vor allem die dritte und titelgebende Erzählung in diesem Band, “Mr. Harrisons Bekenntnisse”. Mr. Harrison ist ein junger Arzt, der sich in einem kleinen Städtchen in Nordengland niederlässt. Er soll dort in die Praxis des schon etablierten, älteren Landarztes eintreten. Schon vom ersten Tag an merkt er, dass die Uhren hier auf dem Land deutlich anders ticken als in der Metropole, in der er studierte. Alles, was Rang und Namen hat, hinterlässt schon am ersten Abend besorgte Fragen nach seinem Wohlbefinden nach dieser langen Reise. Und Mr. Morgan, sein Mentor, belehrt ihn am nächsten Morgen immer wieder darüber, wie er hier im Städtchen aufzutreten habe, angefangen von der Garderobe bis hin zu den Höflichkeiten, die Harrison erst übertrieben erscheinen.

Und gerade die Tatsache, dass er es höflich allen recht machen will führt dazu, dass er sich nach einigen Wochen gleich mit drei Frauen mehr oder weniger verlobt findet; ohne allerdings selbst dazu etwas beigetragen zu haben, und vor allem auch, ohne auch nur die geringste Neigung zu einer der ausgewählten Damen zu verspüren. Weiterlesen