Tana French – Totengleich (The Likeness. Dublin Murder Squad 2)

french2Nach “Grabesgrün” griff ich also gleich zum nächsten Band der Reihe. Tja… und war erstmal insgeheim ein wenig enttäuscht, dass eine der beiden Hauptfiguren des ersten Teils hier nur noch als unwichtige Randnotiz erscheint.
Doch bald schon war das vergessen – und man kann daher getrost jedem Leser empfehlen: egal, welches Buch du in welcher Reihenfolge liest, sie sind wirklich in sich abgeschlossen.

Hier steht nun also Cassie im Mittelpunkt; nach dem Abschluss des letzten Falls haben sich ihre und Robs Wege getrennt. Dafür ist sie nun mit Sam liiert und hat sich an eine Stelle versetzen lassen, die sie nicht an ihre persönlichen Grenzen bringt. Bis Frank auftaucht und sie um Hilfe bittet…

Denn davor war Cassie als Undercover-Agentin eingesetzt gewesen. Und die Person, deren Rolle sie damals mit Frank gemeinsam erfunden hatte, war nun tot aufgefunden worden – eine Frau, die exakt so aussieht wie sie.

Sie willigt ein, in die Rolle der Toten zu schlüpfen, um von innen heraus den Mörder zu finden.

Was unglaubwürdig klingt, wenn man nur die Beschreibung liest – wie kann ein Mensch die Rolle eines anderen übernehmen und mit den Menschen zusammenleben, ohne dass diese es merken? wurde hier so gut umgesetzt, dass man es richtig plastisch vor sich sehen konnte.

Die Welt, die French hier beschreibt, ist ein Kosmos für sich – und diese versponnenen Zusammenhänge, die psychischen Abhängigkeiten einer Gruppe Menschen voneinander, boten mir als Leserin wunderbares Lesevergnügen.

Und immer noch hoffe ich, dass ich Rob und Cassie in einem der nächsten Bände noch einmal erleben darf…

Tana French – Grabesgrün (In the Woods. Dublin Murder Squad 1)

17542_French_Grabesgru¨n.inddWarum habe ich eigentlich so lange gebraucht, bis ich Tana French gelesen habe? Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie schon vor vielen Jahren alle Welt von “Grabesgrün” geschwärmt hatte. Gut – zu viel Lob von allen Seiten führt bei mir oft dazu, dass ich erst mal skeptisch bin. Dazu kam dann aber auch, dass der Prolog aus Kindersicht und in der ersten Person Präsens erzählt wurde – das liegt mir normalerweise nicht besonders.

Nun, viele Jahre später habe ich es also doch “gewagt” – und hatte den Vorteil, gleich mal einige Bücher der Autorin hintereinander weg lesen zu können.

Zum Inhalt von Grabesgrün brauche ich ja nicht mehr viel sagen – ein Ausgrabungsteam findet eines Morgens eine Kinderleiche auf einem Opferstein drapiert. Vor 20 Jahren sind an der selben Stelle schon einmal zwei Kinder verschwunden – das dritte Kind, das damals völlig geschockt gefunden wurde, das sich aber an nichts erinnern konnte, ist nun Detective – und wird mit diesem Fall beauftragt. Hängen die beiden Fälle zusammen?

Die beiden Kollegen, die hier zusammenarbeiten, glänzen dabei durch ihre tiefe Verbundenheit. Sie sind nur Freunde, die sich blind vertrauen – bis eine Grenze überschritten wird…

Ich habe mich bei diesem Buch ausgezeichnet unterhalten gefühlt. Gut geschrieben, der Plot ist spannend und plausibel, aber vor allem haben es mir die Hauptfiguren angetan. So sehr, dass ich unmittelbar darauf zum nächsten Buch von Tana French gegriffen habe…