Ian McEwan – Kindeswohl (The Children Act) – Das besondere Buch

KindeswohlschlangeEs kommt derzeit nicht so häufig vor, dass ein Buch mich so richtig begeistern kann. Das liegt vermutlich durchaus auch an meiner Auswahl – so manches Buch, von dem ich hoffe, dass es mir gefallen könnte, spare ich mir durchaus auf für Zeiten, in denen ich empfänglicher und offener bin.

Auch “Kindeswohl”, den neuen Roman von einem meiner Lieblingsschriftsteller, hatte ich nach den ersten paar Seiten wieder weggelegt. Da steckt was drin, das war mir sofort klar. Das ist eines dieser Bücher, die dich da packen, wo es wehtut.

Zum Inhalt wurde in den vielen, vielen Rezensionen ja schon jede Menge gesagt. Fiona, eine Richterin von 59 Jahren, wird ziemlich gleichzeitig mit zwei Themen bestürmt, von denen jedes für sich schon elementar ist. Ihr Mann eröffnet ihr, dass er eine Affäre haben möchte. Nicht heimlich, sondern mit ihrem Wissen, ihrer Duldung, denn am eigentlichen Status der Ehe möchte er nichts ändern. Aber ihm fehlt Leidenschaft, Sex, Hingabe – er möchte das noch einmal erleben.

Gleichzeitig soll sie sich mit dem Fall eines beinahe volljährigen Jungen beschäftigen, der aufgrund seiner Glaubenszugehörigkeit die lebenserhaltende Behandlung mit Blutkonserven verweigert. Das Gericht soll nun entscheiden, ob seinem Willen stattgegeben werden kann, oder ob man einem noch unmündigen Menschen das Weiterleben ermöglichen muss, weil er die Tragweite seiner Handlungen noch nicht entsprechend übersehen kann. Weiterlesen

Michele Serra – Die Liegenden (Gli Sdradiati)

wpid-img_20140616_140010.jpgKurze Lesenotiz:

Der Autor Michele Serra, der mit seiner Familie (Frau, Tochter, drei Söhne) in Mailand lebt, ist in Italien vor allem für seine Kolumnen bekannt, die in La Repubblica und L’Espresso erscheinen.

In “Die Liegenden“ schreibt er von einem Vater und dessen achtzehnjährigen Sohn und die Art ihres Zusammenlebens und ihrer Kommunikation (keiner). Dazu spricht ein “ich“ fortwährend den Sohn, das “du“, an. In teils philosophischen, teils maßlos überzeichneten Passagen erzählt es davon, wie schwierig es sich gestaltet, Kontakt zueinander zu finden. Weiterlesen

Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe

SchlinkTreppeUm Bernhard Schlimm ist es nach seinem großen Erfolg mit dem “Vorleser“ und den “Selb-Krimis“ in gewisser Weise soll geworden. Er konnte mit keinem seiner Bücher, die darauf folgen, an den großen Erfolg anschließen – und ich wage die Prophezeiung, dass es ihm mit diesem Buch erst recht nicht gelingt.

Als treue Leserin habe ich auch alle anderen Werke gelesen – mit unterschiedlicher Begeisterung. Ich mochte die Heimkehr, weniger seiner Erzählungen, auch der RAF-Roman das Wochenende war interessant.

Doch dieser neue Roman hat mich ziemlich enttäuscht.

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Banana Yoshimoto – Der See (Mizuumi)

YoshimotoSeeAuch wenn ich fast alle Bücher von Banana Yoshimoto gelesen habe: ich bin nicht in der Lage, auch nur den Inhalt eines davon komplett wieder zu geben. Und auch die Story dieses Romans wird vermutlich bald der Vergessenheit anheim fallen. Und doch stimmt mich das nicht traurig, noch spricht es gegen das Buch. Was für mich von Yoshimotos Büchern immer übrig bleibt, ist ein Gefühl. Und in dieser Hinsicht könnte das vorliegende Buch, das in Japan schon 2005 erschienen ist, neben “Tsugumi“ und “N.P.“ zu einem meiner Lieblingsbücher dieser Autorin avancieren. Weiterlesen

Leon de Winter – Ein gutes Herz (VSV of daden van onbaatzuchtigheid)

deWinterHerzIch musste meine Lektüre dieses Buches schon nach kurzer Zeit unterbrechen. Da taucht Leon de Winter nämlich selbst als Akteur seiner Geschichte auf – und er ist gerade frisch geschieden von Jessica Durlacher. Da er sich ansonsten recht realistisch gezeichnet hatte, war ich natürlich neugierig, ob das Dreamteam unter den Schriftstellern nun auch in Wirklichkeit getrennte Wege geht… aber da kann ich die LeserInnen beruhigen: dem ist nicht so.

Leon de Winter lernt hier im Buch dann auch bald nach der Trennung eine Frau kennen und lieben, die mit ihrem Sohn zusammenlebt. Fast gegen ihren Willen lässt Sonja de Winter in ihr Leben; sie achtet ansonsten sehr darauf, frei und ungebunden zu sein, um ihre Zelte jederzeit wieder abbrechen  zu können. Weiterlesen

Leon de Winter – Leo Kaplan (Kaplan)

deWinterKaplanAus der Reihe: Das besondere Buch

Die Ehe ist ein Trapezakt: Jeder muss festhalten und loslassen können, auch andere Begegnungen in der Luft zulassen – wichtig ist nur, dass man zum Schluss wieder gemeinsam auf der Erde landet.

Das nimmt Leo Kaplan als Erklärung, als Rechtfertigung seiner immer wiederkehrenden Seitensprünge, die schließlich auch zum Scheitern seiner Ehe führen. Weiterlesen

Christian Schünemann, Jelena Volic – Kornblumenblau

kornblumenblauMilena Lukin ist Mitte Vierzig, hat einen zehnjährigen Sohn, den sie alleine großzieht, schreibt an ihrer Habilitationsschrift und ist ansonsten beruflich vor allem mit der Aufarbeitung der Gräuel beschäftigt, die während des Krieges geschahen.

Vom Vater ihres Kindes, eines Deutschen, lebte sie schon vor der Geburt getrennt; dass er dem Kind so viel mehr bieten kann als sie in ihren immer prekären Verhältnissen wurmt sie teilweise sehr. Weiterlesen

Martin Walker – Femme Fatale. Der fünfte Fall für Bruno, Chef de Police

walkerfemmeAuch im fünften Fall von Bruno, Chef de Police, spielt die jüngere Zeitgeschichte des Perigord eine Rolle. Diesmal wird eine Frauenleiche auf einem Boot angetrieben – offensichtlich Opfer eines heidnischen Rituals. Die Spuren führen in alte Felshöhlen, die Resistance spielt natürlich wieder eine Rolle, und gekocht wird außerdem gut und reichlich. Weiterlesen

Urs Widmer – Das Buch des Vaters

widmervaterIn “Der Geliebte der Mutter” hatte Urs Widmer bereits einen Teil der Geschichte seiner Eltern verarbeitet; “Das Buch des Vaters” erzählt nun den fehlenden Teil, der allerdings nur wenige Überschneidungen aufweist.

Es ist ein völlig anderer Stil, eine komplett andere Sichtweise; nur wenige Episoden kommen in beiden Büchern vor, und als Leser empfand ich das als sehr spannend. Dabei ist es keinesfalls so, dass man dieses zweite Buch nur mit Kenntnis des ersten verstehen und genießen kann – es sind völlig voneinander losgelöste Bücher, von denen mir die Vater-Geschichte auch deutlich besser gefällt. Weiterlesen