Schweizer Buchpreis 2013 geht an: Jens Steiner für “Carambole”

caramboleWie ich gerade entdeckt habe, geht der Schweizer Buchpreis in diesem Jahr an Jens Steiner für “Carambole“. Dieser Titel war auch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2013 zu finden – und gehörte für mich zu den Büchern, die mich nicht begeistern konnten.

Mein Favorit für den Schweizer Buchpreis wäre Jonas Lüscher gewesen, dessen Erstling mir ausgezeichnet gefallen hat – aber da hoffe ich, in Zukunft noch einige schöne Bücher zu lesen zu bekommen.

In diesem Sinne Glückwunsch an Jens Steiner!

Buchmessequartett bei Lesenswert & neue E-Books in der Onleihe und bei Skoobe (KW 40 & KW 41)

lesenswertImmer zur Buchmesse und insgesamt viel zu selten gibt es im deutschen Fernsehen eine Art Nachfolger des einst heißgeliebten literarischen Quartetts: Das Buchmessenquartett der vier Kritiker Felicitas von Lovenberg, Thea Dorn, Denis Scheck und Ijoma Mangold. Zwar zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, knapp vor Mitternacht, und auch nur auf SWR – aber es sei anzumerken: es ist mir die liebste Diskussionsrunde, die es aktuell zu sehen gibt. Auch wenn ich oft genug, wie auch dieses Mal, die Meinung der weisen Vier nicht unbedingt teile…

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Joachim Meyerhoff – Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

meyerhoff2Das Gefühl, inmitten von lauter “Irren” aufgewachsen zu sein, mag zwar so mancher haben. So konkret wie Joachim Meyerhoff kann es aber kaum einer beweisen: er hat seine Kindheit in einer großen psychiatrischen Anstalt verbracht, der sein Vater als Direktor vorstand.

Ihr Haus ist mitten im Anstaltsgelände, und nachts hört er die Schreie der Patienten – für ihn das beste Mittel, um einschlafen zu können. Weiterlesen

Deutscher Buchpreis 2013 geht an Terézia Mora

ungeheuerEs ist angesichts der diesjährigen Shortlist sicher literarisch nicht die schlechteste Wahl – dass ich das Buch nicht mochte, ist dabei irrelevant.

Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass ich mit den Gewinnertiteln nicht wirklich glücklich werde. Und es spielt auch eigentlich keine Rolle ;-) Ich freue mich dennoch darüber, dass nach dem unglücklichen Start (wer kann sich denn noch daran erinnern, dass ganz zu Beginn noch nicht mal unbedingt deutschsprachige Bücher gelistet waren? Damals war es eher eine Art Corinne…) der Preis mittlerweile eine echte Relevanz entwickelt hat. Ich für meinen Teil kann jedenfalls ganz konkret sagen, dass sich der Anteil deutschsprachiger Literatur in meiner Leseliste con etwa 15/20 % auf gut 60 % erhöht hat. Weiterlesen

Clemens Meyer – Im Stein

meyerIch sage es gleich: Dies ist die Geschichte eines Scheiterns. Meines Scheiterns… ich habe “Im Stein” nicht bis zum Ende gelesen, ich habe nach etwa einem Fünftel aufgegeben. Warum? Es hat mich schlicht nicht länger interessiert.

Über den Roman wurde in den letzten Tagen viel geschrieben, er gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Deutschen Buchpreis, der am 7. Oktober 2013 verliehen wird. Weiterlesen

Deutscher Buchpreis 2013 kann leider nicht vergeben werden

shortlist… also zumindest, wenn man meine ganz subjektiven Leseerfahrungen mit den Shortlisttiteln zu Grunde legen würde.

Womit ich nicht sagen will, dass keiner der Titel preiswürdig sei. Oder alle gelisteten Titel von minderwertiger Qualität. Das trifft alles nicht zu. Ich habe fünf der Shortlisttitel gelesen, Herrn Jirgl habe ich von vornherein ausgespart, weil klar war: er und ich, das geht nicht zusammen. Weiterlesen

Terézia Mora – Das Ungeheuer

ungeheuerDarius Kopp und seine Frau Flora sind dem geneigten Leser ja schon aus “Der einzige Mann auf dem Kontinent” bekannt. Und ehrlich gesagt: als ich dieses Buch damals beendet hatte, war ich sehr froh, dass meine Zeit mit den beiden nach fast 400 Seiten dann vorbei war. Im Gegensatz zu den Rezensenten der großen Zeitungen sind die beiden mir nämlich nicht ans Herz gewachsen – so dass ich, als ich las, “Das Ungeheuer” wäre ein Fortsetzung, auch sicher war, dieses Buch nicht zu lesen.

Aber dann landete es auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis. Und wieder las ich die Kritiken der Tageszeitungen, die das Buch durch die Bank in den Himmel loben. “Unvergesslich” wäre das Personal dieses Romans, schwärmt Rainer Moritz in der NZZ. “Feinsinnig und bewegend” schreibt Karl-Markus Gauß. “Tiefer ist Terézia Mora noch nie in die Abgründe hinabgestiegen, um die Bodenlosigkeiten heutigen Lebens auszuloten” schreibt Sigrid Löffler. Konnte ich da noch länger an dem Buch vorbeigehen? Nein. Kam ich zum selben Urteil wie die Kritiker? Nein. Weiterlesen

Monika Zeiner – Die Ordnung der Sterne über Como

zeinerWenn der Leser Tom Holler das erste Mal begegnet, deutet alles darauf hin, dass die Bekanntschaft sehr kurz werden könnte. Tom Holler hat mit seinem Leben nämlich abgeschlossen, er sitzt hier schon mit seinem Medikamentencocktail. Aber in letzter Sekunde klingelt das Telefon. Auch wenn Holler nicht rangeht – er hört die Stimme, hört die Nachricht. Sie ist von Betty Morgenthal…

Und Betty, das ist die Frau, in die Tom Holler einst sehr verliebt war. Und sie wohl auch in ihn. Da gab es nur ein Problem: Sie war eigentlich mit seinem besten Freund Marc Baldur zusammen…

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Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren

luescherPreising hat es in seinem Leben bislang irgendwie immer gut getroffen. Derzeit hält er sich zwar in einer Psychiatrie auf, und das ist auch der Ort, an dem er seine Geschichte erzählt – allerdings nicht uns, sondern dem namenlosen Erzähler, der uns die Geschichte dann weitergibt. Ein Erzählen im Erzählen, gebrochen, reflektiert, immer wieder unterbrochen natürlich auch – es hat mich sehr an W.G. Sebald erinnert, der dem Leser sicher nicht ohne Grund später im Buch dann noch als literarische Referenz begegnet.

Aber ich schweife ab. Weiterlesen

Marion Poschmann – Die Sonnenposition

poschmannBröckelnde Sonnen, leuchtende Mäuse, verwischte Fotografien von vielleicht vorbeifahrenden Fahrzeugprototypen, Erlkönige genannt… schon die ersten Szenen lassen ahnen, dass es sich beim Personal dieses Romans nicht um Durchschnittsbürger handelt.

Meine erste Überraschung erlebte ich schon recht früh – als ich feststellen musste, dass die ganzen lyrischen Passagen, die mich eben eingestimmt hatten auf das Leben in einem verfallenden Schloss, das nun eine Psychiatrie beherbergt, nicht von einer Frauenstimme stammen. Gut, der Ich-Erzähler dieser Passagen stellt sich dann auch als sehr schwammiger, ja – konturloser Mann heraus. In gewisser Weise ist es also durchaus stimmig, ihn so gefühlt weiblich sprechen zu lassen. Schon sein Name hätte für mich durchaus auch ein Frauenname sein können – Altfried Janich. Weiterlesen