Kathrin Schmidt – Du stirbst nicht

schmidtMit Mitte vierzig platzt bei der Schriftstellerin Helene Wesendahl ein Aneurysma im Gehirn. Eine massive Blutung ist die Folge, die sie nur mit viel Glück überlebt. Wie nach einem schweren Schlaganfall ist erstmal nicht absehbar, ob und wie weit sie sich jemals wieder erholen wird.

Als Leser erlebt man die ersten Tage, nachdem sie langsam wieder zu sich kommt, hautnah mit. Sie weiß nicht, wo und wer sie ist, was davor passiert ist. Sie ist immer nur kurz bei Bewusstsein, sie driftet immer wieder ab, nimmt nur Bruchteile wahr, merkt auch, dass ihr die Möglichkeit fehlt, sich zu artikulieren. Weiterlesen

Melinda Nadj Abonji – Tauben fliegen auf

abonjiNichts hat sich hier verändert, moniert Herr Kocsis jedes Jahr wieder, wenn sie in die schlechten, staubigen Straßen ihrer Heimatstadt in der Vojvodina einfahren. Nichts hat sich verändert, stellen dagegen seine Töchter Ildiko (aus deren Sicht der Roman erzählt wird) und Nomi fest. Alles müssen sie wieder in Besitz nehmen, überprüfen, vom Hackklotz im Hof bis zum Zaun und natürlich ihre Mamika, die Großmutter. Begeistert stürzen sie sich auf die vollen Teller, es wird aufgekocht, dazu die lokalen Spezialitäten wie Traubisoda, das so lecker ist, dass sie davon eigentlich ein paar Flaschen in die Schweiz mitnehmen müssten, um sie ihren dortigen Freundinnen zu kosten zu geben. Und doch nehmen sie nie welches mit – zu genau können sie sich vorstellen, wie geringschätzig die Reaktion ausfallen würde. Weiterlesen