Elizabeth Gaskell – Half a Life-Time Ago (Vor einem halben Leben)

lifetimeIch hatte es ja schon einige Male erwähnt – ich lese mich gerade ganz langsam durch die Erzählungen von Elizabeth Gaskell. Da von dieser Autorin nur sehr wenig auf Deutsch erschienen ist, nutze ich das Angebot der Gratis-Klassiker. Neben den anrührenden Geschichten fängt sie mich auch immer wieder ein mit ihrer Sprache.

Diese Erzählung hier, die knapp 90 Seiten umfasst, beginnt mit der Schilderung eines höchst malerischen kleinen Hauses, das so einladend auf alle wirkt, die daran vorbeigehen und seine Geschichte nicht kennen. Doch wer näher kommt, etwas Gastfreundschaft genießen möchte, sieht sich bald der Hausherrin, Susan Dixon gegenüber, einer geizigen, kalten, alten Frau. (Achtung, Fortsetzung enthält Spoiler). Weiterlesen

Christina Stead – Der Mann, der seine Kinder liebte (The Man Who Loved Children)

stead“Schlachthaus Familie” verkündet der Klappentext; von einem Buch wie von einem “Schwarzen Diamanten” ist hier die Rede, das eine Art schmerzhafter Besessenheit ausstrahle, der man als Leser nicht immer freudig, sondern öfter auf verzweifelt verfalle – aber eben doch verfalle. Und ausnahmsweise kann ich mich dieser Schilderung aus ganzem Herzen anschließen: was für ein schreckliches und dabei doch nachhaltig beeindruckendes Buch! Weiterlesen

Louis Begley – Erinnerungen an eine Ehe (Memories of a Marriage)

begleyWie ein Buch auf mich wirkt, hängt natürlich immer auch von den Begleitumständen ab. Von meiner Laune, der Zeit, die ich zur Verfügung habe, ein wenig auch vom Wetter…. und ich bin sicher, so geht es nicht nur mir.

Als ich zu den “Erinnerungen an eine Ehe” griff, hatte ich gerade davor fast ausschließlich deutsche Gegenwartsliteratur gelesen. Es war mir also eine willkommene Abwechslung – und ich war schon auf den ersten Seiten von Begleys Erzählweise gefesselt.

Die längste Zeit über hatte ich mich gescheut, mir und anderen zu gestehen, dass ich glücklich war. Mit diesem Geständnis hätte ich, dessen war ich mir sicher, die Götter herausgefordert, dort zuzuschlagen, wo ich am verletzlichsten war. Nicht mich zu treffen, sondern Bella oder unsere kleine Agnes. Doch die Strafe hatte mich schon ereilt, in vollem Ausmaß, und das Wenige, das von mir übrig war, war nicht mehr verwundbar.

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Gudrun Mebs – Oma, schreit der Frieder (Buch + CD)

omaundfriederOma, schreit der Frieder und zupft an Omas Rock. Ja, lässt du mich gleich los, Bub? zetert die Oma – mit diesen beiden Sätzen beginnen alle Geschichten vom fünfjährigen Frieder (bzw. später dann vom Schulkind Frieder) und seiner Oma, bei der er lebt.

Frieder ist ein Kind, wie sie halt so sind – er will spielen, er will Unfug machen, er will auf keinen Fall aufräumen, und warten will er sowieso nicht, auf was auch immer. Weiterlesen

Elizabeth George – This Body of Death / Wer dem Tode geweiht. Inspector Lynley 16

george-deathSeit Thomas Lynley den Scotland Yard verlassen hat, wurde die Leerstelle als Acting Supterintendent (die auch er nur interimsmäßig inne hatte) noch nicht wieder zufriedenstellend neu besetzt worden. Als nächste Kandidation ist es nun an Isabelle Ardery, sich in dieser Position zu beweisen.

Sehr aufmerksamen Lesern der Serie ist Isabelle bereits aus dem Fall “Asche zu Asche” bekannt – wer aber, wie ich, bei Krimis kein solches Detailgedächtnis entwickelt, kommt auch ohne erneutes Lesen des alten Falles gut zurecht.  Weiterlesen

Agota Kristof – Die Analphabetin (L’Analphabète) – gelesen von Hannelore Hoger

kristof-analphabetinAgota Kristof – dieser Name begegnete mir in Diskussionen in der Leselust immer wieder, doch dachte ich, es wäre nicht unbedingt eine Autorin, die mir liegen würde.

Dieses kurze Hörbuch, die autobiographische Erzählung, hat mich jedoch eines Besseren belehrt. Mit ganz schlichten, unprätentiösen und vor allem auf gänzlich unsentimentale Weise erzählt die Autorin hier (zwar in der Ich-Form, aber doch immer in erzählerischem Kontext) von einer zwar ärmlichen, aber glücklichen Kindheit; davon, wie sie schon mit 4 Jahren lesen konnte, weil sie zur Strafe so häufig zum Vater, der Dorfschullehrer war, in die Klasse geschickt wurde, wo sie dann stillzusitzen hatte.

Worte, Geschichten – sie sind wie die Luft zum Atmen für das Mädchen, das schon früh anfängt, selbst Geschichten zu erfinden und zu erzählen, besonders gern dem kleinen Bruder, der leicht zu beeindrucken ist. Weiterlesen

Linn Ullmann – Gnade (Nade)

ullmann-gnadeEs gibt nicht viele Punkte in seinem Leben, auf die Johan Sletten rückhaltlos stolz sein kann. Seine erste Ehe war eine lieblose Angelegenheit, das Verhältnis zu seinem Sohn ist feindselig, seinen bescheidenen Ruf als Journalist hat er durch eine ungeschickte Aktion endgültig ruiniert.

Aber wenn er seine Frau Mai ansieht, dann fühlt er sich stolz und glücklich, kann immer noch nicht glauben dass diese junge Frau ausgerechnet ihn ausgewählt hat, mit ihm zusammen sein will. Sie ist seine Gnade, das sagt er ihr immer wieder.

Und nun hat er von seinem Arzt erfahren, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat; die Erinnerung an das unwürdige Ende seines Vaters hat sich ihm nachhaltig ins Gedächtnis gebrannt, und er weiß eines: so will er nicht enden, er will sein Leben anders beenden. Und Mai soll ihm dabei helfen… Weiterlesen

Louis Begley – Der Mann, der zu spät kam (The Man Who Was Late)

begley-spaetBen – ein Mann in den besten Jahren, geschieden, wohlhabend, gutaussehend, gebildet – und beruflich sehr erfolgreich, leitet eine Außenstelle in Paris. Aber wenn er vor wichtigen Entscheidungen steht, versagt er, macht einfach gar nichts. Und wenn er sich endlich zur Aktion entschließt, ist es zu spät.

Auf diese Art hat er die Momente verpaßt, die ihm den Zugang zu den Kindern aus der ersten Ehe seiner Ex-Frau Rachel gewährt hätten, die er wie ein Vater aufgezogen hat, wo er erbittert um Besuchsrecht gekämpft hatte – und so verliert er auch Veronique. Weiterlesen