Eberhard Rathgeb – Kein Paar wie wir

rathgebNein, ein alltägliches Paar sind sie nicht, die beiden Schwestern Ruth und Vika. Keine Männer, keine Kinder, keine Liebschaften – nur zwei Frauen, die ihr ganzes Leben miteinander geteilt haben. In Deutschland geboren, sind sie in den Dreißiger Jahren mit den Eltern nach Buenos Aires ausgewandert. Während der Vater dort erfolgreich war, verkümmerte die Mutter, versank in ihren Depressionen. Die Töchter werden streng gehalten, haben kaum Freiheiten – und doch gelingt ihnen der Absprung.

Ruth ist die Erste, sie macht sich auf nach New York, Vika kommt zwei Jahre später nach. Ihre Sprachkenntnisse kommen den Schwestern zu Gute, sie sind beruflich erfolgreich, sie werden durchaus auch umworben, doch kein Mann kann das verheißen, was sie sich gegenseitig sind.

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Louis Begley – Erinnerungen an eine Ehe (Memories of a Marriage)

begleyWie ein Buch auf mich wirkt, hängt natürlich immer auch von den Begleitumständen ab. Von meiner Laune, der Zeit, die ich zur Verfügung habe, ein wenig auch vom Wetter…. und ich bin sicher, so geht es nicht nur mir.

Als ich zu den “Erinnerungen an eine Ehe” griff, hatte ich gerade davor fast ausschließlich deutsche Gegenwartsliteratur gelesen. Es war mir also eine willkommene Abwechslung – und ich war schon auf den ersten Seiten von Begleys Erzählweise gefesselt.

Die längste Zeit über hatte ich mich gescheut, mir und anderen zu gestehen, dass ich glücklich war. Mit diesem Geständnis hätte ich, dessen war ich mir sicher, die Götter herausgefordert, dort zuzuschlagen, wo ich am verletzlichsten war. Nicht mich zu treffen, sondern Bella oder unsere kleine Agnes. Doch die Strafe hatte mich schon ereilt, in vollem Ausmaß, und das Wenige, das von mir übrig war, war nicht mehr verwundbar.

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Silvia Bovenschen – Nur Mut

bovenschenIn einer prachtvollen alten Villa verbringen vier Damen ihren Lebensabend. An diesem Nachmittag wird Herrenbesuch erwartet – ein Umstand, der zu einigen Aufregungen führt. Und auch der Neuzugang in dieser Frauendomäne, die verzogene Enkelin der Villenesitzerin Charlotte, hat sich gegen die Langeweile einen tugendhaften jungen Mann zu Besuch geladen, als Kontrastprogramm zu ihrem gerade ins Gefängnis verfrachteten Exfreund.

Und nun wird munter hin und her parliert, werden Spitzen ausgeteilt, wird über das Alter an sich, die Gebrechlichkeiten, die Freiheiten, die auch dadurch entstehen, dass man aufgrund des nahenden Endes auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen braucht, philosophiert… dazwischen wird dem Leser dann wieder zugemutet, in der völlig gekünstelten Jugendsprache von Dörte den Kontrast der gelangweilten Jugendgeneration zu vernehmen. Weiterlesen

Luc Bannalec – Bretonische Brandung. Kommissar Dupins zweiter Fall

bannalecDrei Leichen sind am Strand einer kleinen Inselkette gefunden worden, und Kommissar Dupin muss schon vor dem dritten Kaffee (oh, sorry – hier im Buch hießt der natürlich “Café”) zur Arbeit aufbrechen, noch dazu in einem Boot  und es gibt wenig, was er noch mehr hasst als Boote.

Dann steht er mit seinen Männern erstmal da, am Strand. Betrachtet die Leichen, lässt seine Männer Ermittlungsarbeit machen. Was er derweilen macht? Natürlich – erstmal mit seiner unersetzlichen Assistentin Nolwen telefonieren, die wie immer sämtliche regionalen Eigenheiten, die für die Ermittlung vielleicht relevant werden könnten, beisteuert. Und Dupin außerdem den Präfekten vom Leib hält, denn – wie sollte es auch anders sein! – dieser hat ein dringliches Interesse daran, den Fall so rasch als möglich zu klären. Und will informiert werden. Immer. Und sofort.

Aber was macht Dupin? Der geht erstmal essen. Schließlich gibt es hier auf der Insel den besten Hummer, den man sich überhaupt nur vorstellen kann Weiterlesen

Terézia Mora – Das Ungeheuer

ungeheuerDarius Kopp und seine Frau Flora sind dem geneigten Leser ja schon aus “Der einzige Mann auf dem Kontinent” bekannt. Und ehrlich gesagt: als ich dieses Buch damals beendet hatte, war ich sehr froh, dass meine Zeit mit den beiden nach fast 400 Seiten dann vorbei war. Im Gegensatz zu den Rezensenten der großen Zeitungen sind die beiden mir nämlich nicht ans Herz gewachsen – so dass ich, als ich las, “Das Ungeheuer” wäre ein Fortsetzung, auch sicher war, dieses Buch nicht zu lesen.

Aber dann landete es auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis. Und wieder las ich die Kritiken der Tageszeitungen, die das Buch durch die Bank in den Himmel loben. “Unvergesslich” wäre das Personal dieses Romans, schwärmt Rainer Moritz in der NZZ. “Feinsinnig und bewegend” schreibt Karl-Markus Gauß. “Tiefer ist Terézia Mora noch nie in die Abgründe hinabgestiegen, um die Bodenlosigkeiten heutigen Lebens auszuloten” schreibt Sigrid Löffler. Konnte ich da noch länger an dem Buch vorbeigehen? Nein. Kam ich zum selben Urteil wie die Kritiker? Nein. Weiterlesen

Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren

luescherPreising hat es in seinem Leben bislang irgendwie immer gut getroffen. Derzeit hält er sich zwar in einer Psychiatrie auf, und das ist auch der Ort, an dem er seine Geschichte erzählt – allerdings nicht uns, sondern dem namenlosen Erzähler, der uns die Geschichte dann weitergibt. Ein Erzählen im Erzählen, gebrochen, reflektiert, immer wieder unterbrochen natürlich auch – es hat mich sehr an W.G. Sebald erinnert, der dem Leser sicher nicht ohne Grund später im Buch dann noch als literarische Referenz begegnet.

Aber ich schweife ab. Weiterlesen

Christian Schünemann, Jelena Volic – Kornblumenblau

kornblumenblauMilena Lukin ist Mitte Vierzig, hat einen zehnjährigen Sohn, den sie alleine großzieht, schreibt an ihrer Habilitationsschrift und ist ansonsten beruflich vor allem mit der Aufarbeitung der Gräuel beschäftigt, die während des Krieges geschahen.

Vom Vater ihres Kindes, eines Deutschen, lebte sie schon vor der Geburt getrennt; dass er dem Kind so viel mehr bieten kann als sie in ihren immer prekären Verhältnissen wurmt sie teilweise sehr. Weiterlesen

Lars Gustafsson – Der Mann auf dem blauen Fahrrad (Mannen pa den bla cykeln)

gustafssonEs ist kalt, der wind bläst, die Felder und Wiesen grünen nicht mehr üppig, sondern sind grau und braun. So ist auch die Stimmung des Mannes, der da auf seinem blauen Fahrrad unterwegs ist. Auf dem Gepäckträger befördert er eine schwere Last.

Dieser Mann ist Jan Friberg, Handelsvertreter für Küchenmaschinen von Elektrolux, und er ist unterwegs zu einem Herrensitz, an dem er hofft nach seinem verkorksten Tag endlich eine Maschine verkaufen zu können.

Doch es kommt anders. Weiterlesen

Thomas Glavinic – Das größere Wunder

glavinicWas mir bei diesem Buch als erstes ins Auge gestochen ist? Das Cover. Wunderbare Berglandschaft, darüber eine rätselhafte Mondfolge, die wie ein Lichtsignal an eine größere Macht erscheint. Farblich ebenfalls toll umgesetzt, kurzum: ein echter Hingucker. Auch wenn man, so wie ich, nicht unbedingt als Bergfan zu bezeichnen ist.
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Daniel Kehlmann – F

kehlmannIch mag Daniel Kehlmann. Ich habe mich bei der “Vermessung der Welt” köstlich amüsiert, und auch “Ich und Kaminski” war für mich eine sehr lohnende Lektüre. Ich habe auch die anderen Bücher gelesen, allerdings mit etwas weniger Begeisterung. Weiterlesen